Es ist wie es ist

Objekte einer Keramikausstellung am Obenende
Objekte einer Keramikausstellung am Obenende

Moin, "es ist wie es ist", so fängt das mit dem Frühstück bei Stefanie auch immer an und endet mit einem schweren Problem im Kreuworträtsel, während zwischendrin die großen Ereignisse der kleinen Welt täglich neu mit einem Mettbrötchen und Opa Ahlers abgefertigt werden - beim NDR 2, täglich, und man weiss, dass ist bestes Radio-Comedy live. Ist das? Das ist.

 

Manchmal versucht es meine Ems-Zeitung auch, die Dinge nämlich so hinzustellen, wie sie es gerne hätte und dem geneigten Leser deutlich zu machen: So ist es und nicht anders. Das nennt man Meinungen verbreiten und dazu gibt es eine Kommentar-Spalte. Jeder Journalist hat gelernt, zwischen einer Meldung und seinem Kommentar zu unterscheiden. Dass das bei Christian Wulff nicht immer so ganz einfach war, konnte man seinerzeit täglich neu erfahren, denn immer wieder haben uns kleine Nachrichten vom großen Präsidenten auffahren lassen: Kriegt der sein Leben nicht in den Griff? Was erzählt der denn für einen Unsinn! Es klebte alles so nah an unseren Lebenserfahrungen, dass eine ausreichende Distanz zur Nachrichtenspäre wohl nur sehr schwer einzurichten war. Wir haben einen Präsidenten kennengelernt, der an unseren Maßstäben gemessen durchschnittlich angreif- und verletzbar war, eben nicht präsidial. Und dass der angesichts der erhobenen Vorwürfe ins Visier der Staatsanwaltschaft geriet, liegt auf der Hand. Dass diese nur bei Aufhebung der Immunität ermitteln kann, ist Teil des Rechtsstaates und keine Willkür. Und dass ein Präsident dann sein Amt niederlegt nur folgerichtig. Es war eine Verkettung von Umständen, zu der der Präsident mit seinem Medienumgang sicherlich nicht sehr wenig beigetragen hat. Es ist wie es ist. Oder: Ist das? Das ist.

 

Staatsanwaltschaften sind weisungsgebunden. Richter sind es nicht. Können Richter im Prozess trotz vielfältiger Indizien, die zuächst zur Prozesseröffnung geführt haben, einen Schuldnachweis im Rahmen eines "der Schuld angemessenen Aufwandes" nicht erbringen, dürfen Verfahren gegen Zahlung eines Geldbetrages eingestellt werden, soweit alle zustimmen. Ansonsten wird verhandelt, möglicherweise sehr lange. Wenn eine Staatsanwaltschaft solches anbietet, ist das durchaus legitim, aber anders zu bewerten. Anzunehmen ist, dass es eine Weisung des neuen Justizministers gibt, den Fall abzuschließen. Der alte Justizminister war Bernd Busemann vom Hümmling, der jetzt Landtagspräsident ist und sich nie als ein Freund des Präsidenten geoutet hatte, eher das Gegenteil. Kommt in den besten Parteien vor. Kann das? Das kann.

 

Mal sehen wie es weitergeht. Aber in der Ems-Zeitung steht dazu nichts drin, sondern es wird allein der Staatsanwaltschaft die Schuld daran gegeben, dass Wulff ein Neuanfang verwehrt wird. Ob es hilft, wenn Wulff das Angebot ablehnt? Na, mal sehen, was der Wahlkampf noch bringen wird. Als Leser wünschen wir uns eine neutrale Berichterstattung. Das ist manches Mal schwierig hier am Oben- und Untenende. Ging es doch kürzlich um ein Poitionspapier der IHK zur Entwicklung von Papenburg. Nun wird die SPD-Fraktion in der Überschrift zu ihrer Darstellung mit dem Zitat "In die Schublade damit" belegt - in der Pressemitteilung der SPD finde ich dazu kein Wort. Nur, dass man sich im Wirtschaftsförderungsausschuss darauf geeinigt hätte, es als ein Positionspapier der IHK zu verstehen und die Stadt jetzt noch einige Punkte nachzuliefern hätte. Nun ja, es ist eben, wie es ist. Da wird der neue Papst zunächst auch nicht weiterhelfen können, aber vielleicht gelingt mit ihm auch im Emsland und am Obenende eine Phase der Aufklärung. Es ist sicherlich eine gesellschaftliche Herausforderung, sich einer umfassenden Wahrheit zu verpflichten. Aber es soll ja schon Schweinezüchter geben, die sich gesellschaftlichen Herausforderungen stellen (sollen). Kann das? Das kann.

 

Und der Ems-Zeitung rufen wir heiter zu: "Wir zahlen doch, quakt ihr bloss nicht weiter so rum!" Ist das jetzt auch eine gesellschaftliche Herausforderung? Wahrscheinlich die größte überhaupt. Drum schnell noch eine Tasse Kaffee und Tschüss.          

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