App-fällige Bemerkungen

Überbleibsel einer alten Kultur
Überbleibsel einer alten Kultur

Moin, heute ist es mal wieder spät geworden und fast wurde vergessen, die Frühstücks-runde zu dokumentieren. App-fällige Bemer-kungen haben wir gemacht zu der neuen App "GimmiBack". Diese App wurde von jungen Leuten aus dem Emsland entwickelt und kürzlich auf der Cebit vorgestellt. Sie mag vom Erfindungsreichtum hier im Emsland zeugen, von den Möglichkeiten der aktuellen Kommu-nikationstechnologie, aber nicht von ihrer Sinn-fälligkeit zu überzeugen. Denn bereits heute kann ich mir in jedem Smartphone eine Auf-gabe, bspw. die ausgeliehenen 8 Euro auch zurückzuzahlen, mit einem Termin hinterlegen und werde solange daran erinnert, bis ich das als erledigt markiere. Kann das? Das kann.

 

Sehr viel übersichtlicher wird jedoch die vielfältige Verleihlandschaft meines Lebens durch GimmiBack strukturiert. Und es dauert höchstens eine Minute, einen neuen Verleihfall anzulegen, etwa 10 Euro für eine Runde Schnaps in einer emsländischen Kneipe in der Gewissheit zu leihen (oder zu verleihen!), dass man sich daran auch noch einen Tag später erinnert. Will man das überhaupt? Und braucht es dafür wirklich eine App? Aber sicher, so wird auf der HP die kostenlose App angepriesen, sie bringt das Verliehene sogar zurück! Das wiederum können wir nicht glauben, steht da aber. Aber vielleicht ist damit auch nur gemeint, dass die Gegenstelle bei Terminüberschreitung solange mit SMS, E-Mails oder sonstwas torpediert wird, bis sie klein beigibt - oder die (eigene) App abschaltet. Das kann mein Aufgabentimer nicht. Aber brauche ich dafür eine App? Brauchen soviele Menschen in der ganzen Welt ein solches Hilfsmittel? Immerhin wird jetzt schon von 400 Nutzern gesprochen und der Nutzung von arabischen Schriftzeichen. Eine neue Welt tut sich auf, denn immerhin ist die App bereits auf der Titelseite meiner Ems-Zeitung angekündigt und im Kreisteil auf einer halben Seite mit großem Foto des Entwicklerteams ausgeführt. Wir denken, dass dies nur der Einstieg für die drei ist. Kann das? Das kann.

 

Wir wollen ihnen sicherlich nicht ihren Erfolg neiden. Nein, Jungs, viel Erfolg in einer neuen Welt - die muss aber nicht unsere sein. Wir können uns nämlich hier am Obenende gut vorstellen, dass diese App sich für andere Zwecke auch gut weiterentwickeln ließe. Man könnte sich z. B. von seiner Freundin eintragen, wo sie in der nächsten Wochen plant zu sein und es wird sicherlich möglich sein, Änderungen oder zukünftige neue Wege sich von ihr eintragen zu lassen. Man ist ja da ganz vertraut mit einander und wird sicherlich auch bereit sein, das alles zu tun. Aber jetzt, wenn der Termin naht, sagen wir ab 2 Stunden zuvor, das wird man aber individuell einstellen können, kommt alle 5 Minuten eine Standortmeldung, die mit der Planung abgeglichen wird. Bei Abweichungen ertönt ein Alarmton . . . und sofort automatisch die Aufforderung, der Schatz möge doch bitte ganz schnell schreiben, was da jetzt passiert. Wahrscheinlich kann man die Antwort mit einem ganzen Fundus von gleichfalls automatischen Erklärungen hinterlegen, aber irgendwann ist der Mensch doch erforderlich - oder? Muss das? Das muss.    

 

Also wir meinen heute einmal, dass nicht alles was technisch möglich ist, im Interesse der Menschen auch umgesetzt werden muss, selbst wenn es im Emsland entwickelt wurde oder in Dortmund, von jungen Leuten als Visitenkarte für den erfolgreichen Eintritt ins Berufsleben oder von Senioren "zwischen Arbeit und Ruhestand". Kann das? Das kann wohl.

 

Ich mache mich jetzt auf den Weg, ist schon spät geworden. Kaffee aus und Tschüss. 

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