Kanalstadt No1 im Weltspiegel

Dortmunder U: So sieht man sich am liebsten
Dortmunder U: So sieht man sich am liebsten

Moin, gestern haben wir versucht, die lokalen Ereignisse in eine journalistische Ordnung zu bringen. Heute werden wir mit dem Weltspiegel konfrontiert, auch eine besondere Rubrik in jeder Zeitung. In einer regionalen, wie sie unsere Ems-Zeitung eine ist,  macht sie jedoch kein Buch aus, eine Seite nur, aber die hat es in sich: Echo-Gewinner in Berlin, weniger Badeunfälle in Niedersachsen, härtere Strafen für Vergewaltiger in Indien, Tornado in Südchina, Absturz eines Hubschraubers in Australien mit Hochzeitsgästen drin, Haft nach Tötung von fünf Babies in Flensburg, Mordkomplott gegen Pferdewirtin in Berlin und juristischer Sieg einer Prostituierten: Gericht erlaubt Straßenstrich. Das ist dann die Spiegelung des Kanals, denn bei Kilometer 1 ist es passiert: Sie dürfen wieder raus. Nur nicht an den alten Standort zurück, also anderswohin als in die Nordstadt. Kann das? Das kann.

 

Sie, das sind die vielen hundert Prostituierten aus aller Welt, die nun wieder in Dortmund ihrem Beruf auf der Straße nachgehen dürfen - so sie wollen. Denn das einstmals sogar der Stadt Essen als Vorzeigemodell aufgefallene (und auch tatsächlich umgesetzte) Konzept gibt es nicht mehr. Keine Beratungsstelle mehr vor Ort, keine abgegrenzte Lokalität hinter einem großen Baumarkt, wo man immer sein Ding machen konnte, keine Verrichtungsboxen mehr, nicht einmal für Fahrradfreier. Dieser tolle Ansatz war offensichtlich nicht konsequent weiterentwickelt worden - denn die Leistungsanbieter-innen, nennen wir sie einmal so, weil es ja auch Verrichtungsboxen gab, wohnten nur unweit und machten sich bereits von zuhause aus in Arbeitsklamotten auf den Weg zur Anbahnungstätte. Das hat natürlich die Jugend gefährdet. Ganz klar. Und auch das ganze drumherum an Drogengeschäften und Kriminalität überhaupt hatte zugenommen. War das? Das war wohl.

 

Naja, und manche Häuser wurden in der Folge überbelegt mit Menschen aus den ärmsten Teilen der Europäischen Union, die Nordstadt wurde romantisches Ziel mancher Familie aus Plovdiv/Bulgarien. Hier sei alles besser als das Elend zuhause. Was lag da näher, als die gesamte Stadt Dortmund zum Sperrbezirk zu erklären? Ist doch verständlich, niemand hätte gerne den Straßenstrich vor seiner Haustür, was sollte man da auch lange über Alternativen diskutieren? Planungs- und Sozialpolitik muss auch schon einmal mutig durch eine Ordnungspolitik ersetzt werden. Und wenn der zuständige Dezernent als Grüner diese als Verlängerung einer eigenen Sozialpolitik ansieht, dann ist er fehl am Platze. Und es gab noch mehr Gründe, am Tag des Sieges der Prostituierten Dany über die Stadt eine neue Rechts- und Ordnungsdezernentin zu wählen, diesmal von der CDU. War das? Das war.

 

Und nun wird man abwarten wollen, was passiert. Das Verwaltungsgericht hat keinen Hehl daraus gemacht, dass der alte Standort zwar nicht passte (trotz aller erforderlicher Infrastruktur) - der ist jetzt vom Tisch. Aber einen anderen sollte die Stadt schon finden können, nur Sperrbezirk, das könne Dortmund nicht sein. Und eine Berufung wäre auch nicht zugelassen. In einer ersten Stellungnahme meinte der Oberbürgermeister (SPD) zwar, man wolle dennoch eine Berufung wagen - aber das zog er einige Sätze später wieder zurück, man würde eine Beschwerdemöglichkeit prüfen wollen. Mal wieder so ein Ergebnis (Und dann noch aus Gelsenkirchen! Dort ist der Sitz des Verwaltungsgerichtes.) von dem beide Seiten sagen, sie hätten gesiegt. Es wird aber weitergehen und das älteste Gewerbe der Welt wird seinen Platz finden, auch in Dortmund. Das ist so in Großstädten. Und weil Puffs und Appartments samt der erforderlichen Zuhälter in die Preise gehen und damit zwangsläufig den Leistungserbringungsdruck erhöhen, ist ein Straßenstrich die einzige Antwort auf die aktuelle Notsituation - keine Lösung, aber . . . Bloss aber nicht vor meiner Haustür, hören wir es tuscheln und können es sogar verstehen. Und wieder ein "aber . . . " Unsere Welt ist, wie sie ist. Und manches Mal hat man einfach keinen Bock mehr. Auch nicht auf einen Straßenstrich, aber auch nicht auf die Armut in Plovdiv und erst recht nicht auf Gewalttaten gegen Prostituierte! Und dann gibt es immer welche, die haben Bock auf einen Straßenstrich. Kann das? Das kann.

 

Der Kaffee ist gut schwarz mit viel Zucker, mal was ganz exotisches. Tschüss.            

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