Das große Staunen im Gewächshaus

Außer Gurken und Schnittlauch auch viele Orchideen
Außer Gurken und Schnittlauch auch viele Orchideen

Moin, da staunste, was? Das ist so eine Redewendung, die jedoch nicht angemessen wäre, wenn man eine Ministerin beim Staunen erwischt. Denn sie drückt mit dem Staunen ja lediglich die Überraschung aus, die jeden anderen Bundesbürger ergreifen würde, der urplötzlich sieht, was es hier am Obenende und umzu so alles gibt. Wir selber gehen gerne zum Gewächshaus mit den Orchideen, die hier selber (heran-) gezüchtet und nicht nur umgeschlagen werden. Ist so einige tausend Qm groß. Aber der Reihe nach. Muss das? Das muss! 

 

Gitta Connemann MdB (CDU) ist immer sehr aktiv: "(...) 'Die einen erkennt man an ihren Taten, die anderen an ihrem Getue.' An diese Feststellung eines Georg-Büchner-Preisträgers habe ich im Vorfeld der heutigen Debatte gedacht, (...)" kann man Sie aus einer Rede im Deutschen Bundestag zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz zitieren. Nehmen wir dieses einmal als den Anspruch an sich selber. Jetzt hatte sie die Ministerin Ilse Aigner nach Papenburg eingeladen, in die 'grüne Perle' ihres Wahlkreises, die Gartenbauzentrale. Und die Ministerin, sicherlich gut vorbereitet, staunte: 87 Mio. Kräutertöpfe verlassen jährlich das emsländische Unternehmen. 35 Mio Salatgurken und 16 Mio. Beet- und Balkonpflanzen werden in ganz Europa ausgeliefert, auf umgerechnet knapp 200 Fußballfeldern wird Schnittlauch kultiviert. Beide Frauen waren zur Präsentation der Leistungsfähigkeit des emsländischen Gartenbaus extra in einem 'ganz kleinen Flugzeug' von Berlin direkt in den Wahlkreis "Unterems" von Connemann geflogen. Kann das? Das kann.

 

Connemann schien daran gelegen zu sein, auf die hohen Strompreise hinzuweisen, welche diesen wichtigen Wirtschaftszweig so bedrohen, dass Zukunftsinvestitionen nur noch unter erschwerten Bedingungen vorgenommen werden können. Man klagt über die niederländischen Nachbarn, die sich mit der Ökostromabgabe nicht herumschlagen müssten. Ilse Aigner erkennt das und gibt darauf die überraschende Antwort, dass ihr (Bundes-)Ministerium daran arbeite, Schlupflöcher der Abgabe einzuschränken, damit nicht nur einige wenige Mittelständler zahlen müssten. Traf sie damit das angezeigte Problem? Die Niederlander als Schlupfloch einer deutschen Energiewende? Ihrer Position kann ich einiges abgewinnen - aber diese Antwort hilft doch sicherlich den Fragestellern nicht weiter. Und die Landwirtschaftsministerin aus Bayern ging noch weiter, attestierte den Papenburger Gärtnern eine gute Zukunft: 'Der Bedarf an Nahrung wird in den nächsten Jahren aufgrund des Bevölkerungswachstums weltweit deutlich steigen." Und die Ems-Zeitung fügt offensichtlich dem Zitat eine Zusammenfassung ihrer nachfolgenden Äußerungen bei: 'Dabei werde auch wichtiger, bei der Versorgung auf Regionalität zu setzen.'

 

Wenn das eine gute Zukunft bedeutet, werden wir alsbald Gurken statt Ananas essen, Gurken statt spanischer Tomaten, Gurken statt kanadischen Weizens, Schnittlauch statt Basmati-Reis und Schnittlauch statt Curry. Also, entweder war die Minsterin von dem Flug noch etwas durch den Wind oder aber einfach nicht gut drauf, sich im Emsland über Gurken unterhalten zu müssen. Oder aber, die haben alle wegen der regionalen Identität emsländer Platt gesprochen, was eine aus Bayern ja auch nicht verstehen kann. Kann das? Das kann wohl nicht. 

 

Und so denken wir uns ganz heimlich, dass dieser Besuch aus Berlin doch nur Wahlkampfgetue war - mal ganz ohne Verstand, auch wenn der Landtagspräsident mit von der Partie war. Die örtlichen Verwaltungsspitzen (der 1. Beigeordnete und der örtliche Wirtschaftsförderer) haben derweil das 25. Jubiläum der Fehnboutique am Obenende gefeiert und sich angehört, dass man weniger Filialbetriebe nach Papenburg holen solle (Adler hat hier gerade ein alteingesessenes Textil-Kaufhaus abgelöst) sondern persönlich geführte Geschäfte unterstützen möge. Als ob die da überhaupt alternative Optionen haben. Ist das? Das ist.

 

Lobby-Arbeit ist schon verdammt schwer, wenn die Welt sich ändert, der eigene Gesichtskreis aber nicht. Der Griff zur Kaffeetasse lässt mich erkennen, dass nun das Wochenende kommt. Ja, vier Monate gibt es jetzt das Frühstück am Obenende schon täglich, meist in der (Rentner-)Früh. Verändert hat sich nichts, außer dass wir das alternative "Frühstück bei Stefanie" geschafft haben. Die hören im Juni beim NDR 2 auf. Muss das? Das muss.

 

Doch noch eine Tasse Kaffee und Tschüss. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Brink Ludger (Samstag, 23 März 2013 21:57)

    Moin,gelungener Kommentar nur wenn Früstück am Obenende dann doch eine Tasse Tee,oder?

  • #2

    eos (Samstag, 23 März 2013 22:31)

    Moin, nö, hier ist Emsland, Ostfriesland ist 3 Kilometer weiter, da gibt's Tee . . . :-)
    Aber schön, dass es gefallen hat und dass wir einen neuen Gast haben - morgen ist Sonntag, mal sehen, was die 10 cm Werbeblätter so bringen. Vielleicht gibt's dann zum Kaffee noch Rührei :-()!