Das Fingerkribbeln der Laubenpieper

Ostern - 2011
Ostern - 2011

Moin, man lernt ja nie aus. "Laubenpieper", dieses geheimnisvolle Wort stammt ja eigentlich aus dem Berlin des vorletzten Jahrhunderts und bezeichnet treffend jene Menschen, die in jeder freien Minute ihren Mietshäusern entfliehen konnten, ihr Leben in einer Gartenparzelle genießen zu können. Wikipedia nennt u. a. zwei Begriffe für die Kolonien, in denen diese Laubenpieper sich aufhalten: Datsche und urbaner Gartenbau. Und das am Obenende, wo doch hier Mietswohnungen knapp sind wie anderswo Penthäuser, wo Grund und Boden - so man an einem der 40 Kanal-Kilometern lebt, in aller Regel nach hinten weg ins Moorf beliebig verlängert werden kann? In einer Zeit, wo man sich Strategien überlegt, aus seinem Mondschein-Ackerland eine Spiel- und Partywiese mit swimmingpool zu bauen, überdachtem Grillplatz und Außensauna? Kann das? Das kann wohl.

 

Da habe ich doch mal wieder gesehen, wie wichtig es ist, eine Lokalzeitung zu haben, wenn man wissen will, wo man eigentlich lebt. Und dass es denen jetzt zwischen den Fingern juckt, wo wir doch noch bis Ostern Nachtfröste haben werden, das verstehe ich zu gut. Denn wenn es mit dem Frost aufhört, wird es sofort im Garten, bei der Datsche oder dem urbanen Gartenbau (?) losgehen müssen, aus der Hocke! Zum Glück haben wir dann schon Sommerzeit, da ist es abends eine Stunde länger hell. Muss das? Das muss! 

 

Und dann heißt es aufpassen: Da man dem Bundeskleingartengesetz unterliegt, werden die Gärten einmal im Monat begangen, also kontrolliert, ob man nicht vielleicht heimlich die Rasenfläche vergrößert oder doch mehr Blumen angepflanzt hat als Grünkohl. Auch die Freizeitfläche ist reglementiert. Wo käme man denn auch schon hin, wenn jeder seine Freizeit beliebig außerhalb der Gemüsebeete verbringen würde! Und acht Stunden pro Jahr muss jeder natürlich an der Verschönerung der Gesamtanlage mitarbeiten (Arbeitseinsatz). Nun denn. Wer damit gut zufrieden ist, wird sich anschließend über sein  ökologisch gezogenes Gemüse und Beerenobst freuen dürfen - Raupen werden nur mit der Hand abgesucht. Muss das? Das muss.  

 

In einem anderen Projekt hier am Obenende wird das grenzübergreifende Projekt PhytoSana zum kleinen Teil beim Forum Bethlehem abgewickelt. Bethlehem steht für den dortigen Kanal. Der wurde Jahre nach seiner Entstehung so umbenannt, wohl weil dort ein einzeln stehendes Haus war oder eine kleine Kapelle weit draußen. Ein weiterer Erklärungsansatz wird im berichteten Niedergehen eines Meteoriten gesehen, was im Moor in langen Winternächten so alles möglich zu sein scheint . . . Also dort wird ein Kräutergarten entstehen, "der die Welt abbildet." Ziel des Gesamtprojektes ist es, die Kenntnisstände aus Wissenschaft und Praxis zu bündeln und die Potenziale der Region nachhaltig zu fördern. Universitäten und Hochschulen aus den Niederlanden und Deutschland sind beteiligt, Unternehmen und Vereine. Geld gibt es von der EU und eine Kofinanzierung durch das Niedersächsiche und das niederländische Wirtschaftsministerium, sowie drei holländische Provinzen. Wenn's da mal nicht wieder um energiefressende "Unterglaskräutergärten" für die Gesundheitsindustrie im ganz großen Stil geht - und nicht um einen erklärenden Kräutergarten in Form einer Weltkarte, wie hier am Obenende. Kann das? Das kann wohl.  

 

Denn, "im ganz großen Stil", das kennen wir schon von der Landwirtschaft. Selbst die Wiesen werden so intensiv bewirtschaftet, dass sich da bald weder Kiebitz, Rotschenkel noch Uferschnepfe ihren Lebensraum erhalten können. Ohnehin bereits auf der roten Liste, würden diese Wiesenvögel hier aussterben. Aber man ist sich mit den Landwirten vielerorts schon einig über eine vernünftige Mahd der Wiesen nach dem 15. Juni und andere Massnahmen. Und wieder lockt EU-Geld, den Bauern die Zurückhaltung zu versüßen. Auf dieser Basis sucht und findet die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte-Weser-Ems (BSH) bereits erfolgreich Verbündete. Kann das? Das kann.

 

Oben- und Untenende ist nicht nur Meyerwerft, Gurken- und Schnittlauchzucht, ADO und Autoteststrecke, das ist auch Landwirtschaft im Verein mit einer nachhaltigen Pflege der Natur und Beachtung ökologischer Zusammenhänge in deren Mittelpunkt der Mensch steht, denn angeln will der ja auch noch, und der Laubenpieper braucht das Kribbeln in seinen Fingern - bis es wieder wärmer wird!

 

So, eine zweite Tasse Kaffee und Tschüss.      

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