Der Staat und die Bürokratie

jüdischer Friedhof nahe dem Tunxdorfer Waldsee
jüdischer Friedhof nahe dem Tunxdorfer Waldsee

Moin, es gibt auch ernste Themen hier am Obenende, solche mit weitreichender Bedeutung. Es ist schön, dass wir in diesen Tagen dranbleiben können, denn draußen ist es kalt und über Nacht wieder weiß geworden. Da wälzen wir doch lieber die elementaren Fragen des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft. Ob wir Antworten bekommen, sei einmal dahingestellt, aber was sagt das schon aus? Ich frage mich schon länger, warum mein einer Nachbar selbst am Karfreitag den Zentimeter Schnee vor seinem Haus bereits um 7:30 h weggefegt hat, wo man doch nur bis 8:30 h warten muss, bis der weggetaut und/oder weggeblasen wurde. Eine Antwort werde ich wohl nie erhalten und werde mir deshalb denken, dass es daran liegt, Gutes tun zu wollen und es auch zu zeigen. Oder aber nur die Erfüllung öffentlicher Pflichten: ab 7 h hat der Bürger seinen Bürgersteig von der Schneelast der Nacht zu befreien? Was machen wir uns doch das Leben schwer. Muss das? Das muss nicht.

 

Wir haben doch unsere Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) die fleißig durch ihren Wahlkreis marschiert, immer auf der Suche nach Ungerechtigkeiten des Staates, die sie für ihr Klientel aufdecken und abwenden will. Und weil nicht ist, was nicht in der Presse steht, ist diese auch immer mit dabei: Tu Gutes und sprich vorher darüber. Manches Mal ist sie nicht zuständig. So für die Beschwerde eines Malermeisters, aber sie will sich für ihn und die Sache gerne bei der Innung verwenden. Das ist doch 4 Spalten und zwei Fotos wert! Denn offensichtlich braucht es dringend jemanden, der oder die sich der Sorgen vor Ort annimmt. Muss das? Das muss wohl.

 

Warum das muss, erschließt sich uns nicht so ganz, denn der Malermeister hat doch seine Sorgen sicherlich auch bereits vorgebracht, aber so ist es eben. Ein anderer Handwerker beschwert sich über einen zunehmenden Bürokratismus. Bei seinem Vater hätte noch ein Handschlag gegolten, heute würde er in der Bürokratie ersticken. Und daran sei nicht nur der Gesetzgeber schuld, sondern auch der Kunde. Und dann, wohl in Fahrt gekommen, beklagt er sich, dass Anträge bei der KfW (Förderbank des Bundes) von ihm, dem Energieberater, nur für Sanierungen gestellt werden dürfen, alle anderen Anträge bedürfen der Unterschrift eines Architekten, Statikers oder Ingenieurs. Da sehen wir bei Neubauten und der Förderung von energieeffizientem Bauen nun wirklich kein Problem. Aber die MdB wird das ihr sichtbar gewordene Problem in Berlin zur Sprache bringen - schreibt meine Ems-Zeitung gestern, denn heute am Karfreitag gibt's nun mal gar keine Zeitung. Darf das? Das darf nicht. 

 

Aber schön für sie, dass sie gestern eine dicke Schlagzeile hatte. Heute hat mich allerdings eine der taz aufgeschreckt: "Ostermarsch ist unmoralisch". Ein Interview mit Phillip Ruch. Dieser Berliner Künstler vertritt die These, dass die Teilnehmer der Ostermärsche nicht wirklich etwas verändern wollen. Darüber muss man nachdenken - und kommt vielleicht zu denselben Schlüssen. Ist eine Demonstration überhaupt so angelegt, dass Veränderungen erreicht werden können? Es ist ja genau vorgeschrieben wie demonstriert werden darf und steht unter dem Schutz des Verfassungsrechts der freien Meinungsäußerung. Genießt also Schutz und hat Grenzen. Ruch sieht dagegen den Weg der Beamtenbestechung und Bürobesetzung als zeitgemäßes Mittel an, gegen Militäreinsätze zu demonstrieren, will durchaus (wohl eher auch noch das Gedankenspiel eines Künstlers) flüssigen Beton von Hubschraubern auf die Fabrikationsstätten von Heckler & Koch abwerfen, dass keine einzige Waffe mehr diese Fabrik verlassen wird. Und damit durchbricht er die Regeln des Staates bewußt, eine bessere Gesellschaft als Ziel vor Augen. Das tun auch andere, die bislang noch eher theoretisch das Protestpotenzial unserer Gesellschaft hocheffizient vernetzt sehen. Der Staat und seine sinnstiftende Bürokratie wird den dabei aufgeworfenen Problemen nicht gerecht werden können. Kann das? Das kann nicht.  

 

Und hier am Obenende und überhaupt im Bundestagswahlkreis Unterems werden Lösungsmodelle wie die von Gitta Connemann wohl noch zum inneren Frieden beitragen. Jedoch, die Musik spielt woanders! Ist das? Das ist wohl.

 

Nachdenklich geworden schlürfe ich an diesem Karfreitag meinen Kaffee, denke an die alljährliche Gedenkveranstaltung zur Erinnerung der letzten Kriegsgreuel in Dortmund, oben im Wald in der Bittermark, wo an die vielen dort einige Tage vor Kriegsende ermordeten Fremdarbeiter erinnert wird. Auch unmoralisch? Stattdessen die Teilnehmer zwangsweise in einen Bus setzen und nach Bosnien bringen, nach Syrien, Ägypten? Das ist heute?! Kann das? Das kann nicht.

 

Ich werde mich nach dem Kaffee wieder einer kleinen Ausarbeitung dazu widmen. Bin noch nicht von der Repressivität in der einen und Tatenlosigkeit in der anderen Richtung meines Staates überzeugt. Tschüss.               

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