Was ist hier eigentlich los?

Hoffnung auf ein besseres Leben
Hoffnung auf ein besseres Leben

Moin, die Sonne hat sich im Osten schon über die Dächer der Nachbarhäuser gequält, der Himmel wird zunehmend von immer mehr Blau geprägt - der Schnee fällt jedoch weiter, Flocke für Flocke, als wenn es gestern nicht Karfreitag gewesen wäre und morgen Ostersonntag sein wird. Und wenn wir heute eine Stunde früher gefrühstückt haben als sonst, dann wird das morgen die richtige Zeit sein, die Sommerzeit wird uns erreicht haben. Bei Null Grad Celsius und der zugesicherten Gewissheit: es wird sich wohl frühestens in 2 Wochen etwas geändert haben. Muss das? Das muss nicht.

 

Nichts scheint mehr in der angestammten Ordnung zu sein. Zwei Päpste gibt es in diesem Jahr zum Osterfest in Rom, einen emeritierten und einen aktiven. Der ist wohl etwas zu aktiv für den Geschmack manches Katholikens, denn das rituelle Füßewaschen - wir können uns nicht erinnern, solches je bei einem Papst vorher erlebt zu haben - geriet außer Kontrolle: er hat sogar zwei Frauen die Füße gewaschen, was so in den rituellen Vorgaben nicht vorgesehen ist. Na und, wird er geantwortet haben, die waren eben gerade da. Sie zu übergehen wäre eine durch nichts gerechtfertigte Zurückweisung. Gut so, Franziskus. Das ist mal eine gute Osterbotschaft aus deinem Hause. Aber dann hörten wir auch davon, dass Ostermärsche unmoralisch seien. Das kam nicht von der katholischen Kirche, sondern von Menschenrechtsaktivisten, von Künstlern, die sich für ein Verbot des Kriegswaffenhandels einsetzen. Wer wirklich etwas machen und nicht nur rumdemonstrieren will, solle mithelfen, die Einbetonierung von Heckler & Koch voranzutreiben. Zugleich wurde in der Dortmunder Bittermark an die Greultaten der Gestapo während der letzten Kriegstage erinnert. Sehr populär und zeitgemäß sprach Dr. Reinhard Rauball (Präsident des deutschen Fussballmeisters BVB) zu den 1.700 Teilnehmern. Unter den damaligen Opfern waren auch drei Mitglieder des BVB. Und, das spricht für eine neue Form der Erinnerung, die Delegationen der französischen Arbeitsdeportierten bleiben schon seit Jahren aus Altersgründen fern. Über alles geht irgendwann die Zeit hinweg und etwas Neues kommt. Kann das? Das kann wohl.

 

Zwei Dinge sind da jedoch, die verharren mit großer Konstanz. In Meppen wird bei der Kreuztracht die Leidensgeschichte Jesu nachgestellt, seit 1647, also ab dem Ende des 30jährigen Krieges. Da musste wohl ein Zeichen rechten Glaubens gesetzt werden, so nah an der Grenze zum kalvinistischen Lager. Das Emsland war ein Vorposten des fernen Bischofs von Münster und brauchte eine verlässliche Hilfe, welche von der Familie von Velen schon seit Generationen geleistet wurde, allen Anfechtungen zum Trotz. Und Dietrich von Velen hat dann die Fehnkolonie Papenburg gegründet. Allerdings wird hier bald gar kein Torf mehr gestochen. Das ist wie im Ruhrgebiet. Aber die Kreuztracht, die hat immer noch 1.000 Menschen angezogen, wenngleich das Foto in unserer Emszeitung dafür nicht unbedingt den Beleg für diese Nachricht liefert. Vielleicht sind auch alle Passanten in der Einkaufszone mitgezählt worden. In dem Artikel wird ohnehin die Predigt nacherzählt, kann jeder lesen - aber verstehen? Soll das? Das soll.      

 

In vier Wochen wird anderswo der 1. Mai als Tag der Arbeit feierlich begangen. Im 19. Jh. war dieser Tag das Symbol für den Kampf um den 8-Stundentag. Die wechselvolle Geschichte des 20. Jh. sicherte uns diesen Tag als den Tag der Arbeit, einen gesetzlichen Feiertag, der, so kann ich mich noch erinnern, die Arbeiter und Angestellten zumindest im Ruhrgebiet in Sternmärschen zu einem zentralen Kundgebungsplatz führte. Das ist heute zumindest in Dortmund nicht mehr so, man trifft sich im Westfalenpark zu Reden und Musik, leckerem Muliti-Kulti-Essen an den Ständen der Ausländergruppen, trifft Freunde und alte Kampfgenossen wieder, erzählt von früher und beklagt das Heute. Gruppen treffen sich dort, wie etwa die Cuba-Hilfe. Volksfest für eine gute Welt. Die Zeit ist auch über den 1.Mai hinweggegangen - oder haben wir nur etwas  nicht verstanden? Kann das? Das kann.

 

Ob nun der 1. Mai noch der Emanzipation der Arbeiterklasse nützt und ob die Meppener Kreuztracht noch in der Blickrichtung von Papst Franziskus liegt - man wird weitermachen. Das ist so. Währenddessen wird ein Gourmet-Tempel in Amsterdam heute letztmalig sein 110 € starkes 2-Sterne-Menue anbieten und erst nach durchgängigem Umbau in einer Woche erneut öffnen. Als Bistro mit einem Einheitspreis von 15 € je Gericht - und die Kellner dürfen T-Shirts tragen. Ron Blaauw, der Superkoch, hat nämlich die Schnauze voll und will frei sein von den Zwängen des Michelin. Das ist eine Botschaft, die wir gut verstehen können. Muss das? Das muss.

 

Aber was hier wirklich los ist und wie das alles noch weitergehen wird, da sind wir hier am Obenende zwar unsicher, aber doch zuversichtlich. Zumindest was die zweite Tasse Kaffee angeht. Tschüss.      

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