Landesgartenschau 2014 - eine Schau der Superlative!

1001 Postkarten wurden hergestellt
1001 Postkarten wurden hergestellt

Moin, vor wenigen Tagen hatte die Landesgartenschau in Papenburg von ihrem ersten Vor-Spatenstich berichtet - und in der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag konnte man bereits das nächste Wunder erleben. Wir waren dabei und sitzen jetzt völlig erschöpft, aber glücklich, dabeigewesen sein zu dürfen, am Frühstückstisch. Eine klasse Arbeit muss man dem Team bescheinigen! Die ersten Bauten sind quasi über Nacht entstanden, zwar noch erst im Modell, ab er bereits 1:1, sodass man die wahren Größenausmaße tatsächlich erleben durfte. Im Hintergrund sieht man die Lichter von Deutschlands größter Fehnkolonie. Es ist schon Sommerzeit, also morgens später hell. Die Menschen aber gehen früh hinaus ins Moor, Torf stechen, seit Generationen. "Rut mit dem Torf, hau rin un hol'n rut, dat matscht so schön und das tut so gut.", schallt es herüber. Es kann aber kaum den Lärm jener Maschinen übertönen, die hier, am Rande des Moores, die einzigartige Große Moschee aus Istanbul als Prunkstück der Landesgartenschau aufbauen, zunächst aus Pappe, um die Dimensionen besser abschätzen zu können. Es hatte kritische Stimmen gegeben, der Stadtpark sei dafür zu klein. Kann das? Das kann. 

 

"Der Baumarkt muss eigentlich weg," haben wir den Chefplaner gehört und er brauche dann auch Platz bis zum Dever-Park, dem anderen Einkaufszentrum mit Kaufland und dem Dänischen Bettenlager. "Dann können wir ja gleich bis zur "Alten Werft" weiterbauen, freute sich der Vertreter der IHK, wogegen sich natürlich sofort Protest aus Reihen der Stadträte erhob - außer den CDU-Mitgliedern natürlich. "Die Kultur in Papenburg geht dadurch endgültig den Bach runter", war der grummelnde Tenor fast aller, eben nicht der CDU. "Eigentlich muss hier gar nichts weg," hörte man den Grünen, "außer der Meyer-Werft." Das war nun wieder das Stichwort für alle anderen, eine Wagenburg zu bauen. Muss das? Das muss.

 

Einen kleinen Zwischenfall gab es, als der Bauleiter Oskar S. aus Ratingen (NRW) von der Firma MAM & ATEM.BO gefragt wurde, warum es denn die Moschee hatte sein müssen. Um das positive Wirken von Fundamentalisten zu zeigen, hätte man ja auch die Papenburger Hauptkirche versetzen können, würde da doch sowieso gerade alles umgebaut. Die Fragerin, die bekannte Heimatdichterin und -fotografin Chica B., immer bemüht, die Dinge auf den Kopf zu stellen, wurde nur laut angebellt.     

 

Inzwischen hatte die Landesgartenschau 1001 Postkarten von diesem Ereignis ausgelegt, die schnell, da kostenlos, einen Abnehmer fanden. Irgendwer wollte dann auch noch "sowas spitzes da, so'ne Moschee oder Minarett" für jeden Ortsteil haben, aber keiner hörte zu. "Wir hatten uns gedacht," fuhr der Teamchef dann fort, "bunt und bliede müsse man auch einmal zeitnah definieren. Das bedeutet heute auch multi-kulti-Integration, die über Pizza und Döner hinausgeht." Mit einer großen Geste  stellte er dann heraus, dass gerade bunte Blumen sehr gut geeignet wären, Fundamentalisten einander näher zu bringen. Das passt ins Emsland. Betretenes Schweigen. Dann aber kam der Augenblick, dass der Bürgermeister, der sich seine Wiederwahl im Jahr 2014 erhofft, einen bedeutenden Gedanken aussprach: "Die Moschee ist zu groß für uns. "Kann das? Das kann.

 

Und deshalb wird das Modell gleich am nächsten Werktag, also Dienstag, wieder abgebaut und an den Absender zurückgeschickt. Jetzt sah man aber im fahlen Licht des Vollmondes die Wildgänse nach Norden fliegen, sie wussten, dass der Winter bald Vergangenheit ist. Am Ostermontag kann sich jeder jedoch noch die Moschee anschauen, wirbt der Verteter der Wählerinitiative für einen Besuch. Ohnehin ist er für seine großen Pläne stadtweit bekannt. Aber so einen nachhaltigen Bezug zu seiner Heimatstadt sieht er für einen Moscheebau dieser Größenordnung auch nicht. Dieses Event wird wohl einmalig bleiben und ist ein "must go" zu Ostern 2014. Ostern ist schon so früh im Jahr und eingeschneit, dass einem auch das wie ein Aprilscherz vorkommen muss. Kann das? Das kann.

 

War aber eine harte Nacht und den Kaffee haben wir uns verdient. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne scheint seit Stunden. Da fahren wir dann gleich nach Emden, wo die Arche Noah auf ihrer Fahrt nach Hamburg kurz angelegt hat. Tschüß.    

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Kommentare: 2
  • #1

    Hedi (Montag, 01 April 2013 09:39)

    Dass ich das noch erleben darf!
    Die Große Moschee im Vollmondschein, von Wildgänsen überquert, und im Vordergrund verschneites Moorland...
    "Dat matscht so schön" kannte ich auch noch nicht! Überhaupt ist das heutige Frühstück mit unglaublich viel interessanter Info angereichert. Ich glaube, ich muss unbedingt Kontakt zu dem Bauleiter Oskar aus Ratingen mit dem originellen Firmennamen aufnehmen. Die bekannte Heimatdichterin ist zumindest mir schon bekannt.
    Geradezu ergriffene Grüße sendet die beka..., also,
    Ich.

  • #2

    DesBauleitersrechteHand (Montag, 01 April 2013 13:01)

    Moschee ist ok!
    Hocherfreut, Chica B.