Alles nur noch virtuell - oder was?

Moin, ein halbes Jahrhundert zurück, nicht am Obenende, sondern im Randgebiet einer ähnlich großen niedersächsischen Stadt wie Papenburg es heute ist. Die örtliche Sparkasse findet im Wohnzimmer einer Vertrauensperson statt. Ein Bauer zahlt etliche Hundert Mark auf sein Konto ein (hat wohl gerade ein Schwein verkauft), ein anderer möchte anschließend Geld ausgezahlt haben, bekommt es von dem gerade eben eingezahlten Betrag. "Moment mal," entsetzt sich der erste Bauer, "das ist doch mein Geld!" Die Geschichte ist verbürgt und belegt, auch damals gab es schon einen virtuellen Geldtransfer, den man nicht sofort durchschauen konnte. Kann das? Das kann.

 

Und wenn ich mir heute anschaue, dass ich durch fleißiges Einkaufen Treuepunkte oder sonst etwas an Gutschriften erhalte - im Bau-, Super- oder Drogeriemarkt, aber auch online - dann ist das eine geldwerte Verrechnungseinheit, die bei ebay durchaus gehandelt wird. Peannuts, würde Ackermann (früher Deutsche Bank) sagen, denn mittlerweile git es Bitcoins, eine Währung, für die sich kein Staat verbürgt, die "aus dem Nichts" entstanden rein virtuell existiert und laufend an Wert gewinnt, so meine Ems-Zeitung vom heutigen Tage. Das ließ uns und die Währungshüter aufhorchen. Muss das? Das muss.   

 

Denn bei Geld und Währung hört auch am Obenende die Gemütlichkeit auf. Immerhin sind Immobilien und Renten langfristig zu finanzieren, und auch wir haben noch einiges vor. Also mal nachgeschaut. Bei Wikipedia heißt es: "Zu den gegen Bitcoin angebotenen Dingen gehören Kleider, Bücher, Geschenkkarten, Musik und digitale Medien, IT-Dienste (...) und vieles mehr bis hin zu Lebensmitteln. Die Verbreitung wächst; so wird Bitcoins im März 2013 von der Mehrheit der Anbieter von Virtual Private Networks akzeptiert." 2008 wurde die Währung gegründet und jetzt aktuell erfährt sie einen Höhepunkt. Wohl auch deshalb, weil sie begrenzt ist und nicht beliebig ausgeweitet wird oder werden muss, traditionelle Finanz-Märkte zu sichern. Von Steueroasen (Offshore-Banken) war in diesen Tagen die Rede. Aber man kann zu den Cayman-Inseln fahren und nachschauen, ob da in dem einen Hochaus tatsächlich jede der 18.000 Firmen einen Briefkasten hängen hat. Bitcoins kann man nicht anfassen, sie existieren virtuell und man muss davon überzeugt sein, dass ihre Menge inflationssicher tatsächlich auf 21 Mio. begrenzt und fälschungssicher ist. Während es beim ersten Einkauf mit Bitcoins im Januar 2009 um zwei Pizzas und 10.000 Bitcoins ging, liegt der Wert einer Einheit heute bei 131 US $ - welch eine Entwicklung. Das mach wohl.  

 

Wem es nützt und ob da kräftig spekuliert wird oder auch vor der Steuer geflüchtet, wir wissen es nicht. Aber im Gegensatz zum Obenende soll es in Zypern bereits einen ersten Geldautomaten für Bitcoins geben . . . Es scheint sich irgengendwo eine Laufmasche im Seidenstrumpf unserer Finanzgesellschaft gebildet zu haben, die dann Löcher aufweisen wird - sind die dann "chique" oder "klick"? Und da ist ja auch noch mehr Virtuelles, der 3-D-Stift, mit dem man gedankenverloren in die Luft hinein Figuren "malen" kann, aus Kunststoff und nicht mehr nur auf Papier oder über 3-D-Programme konstruiert, nein, gleich so spontan. Die kann man dann plastisch einscannen und von 3-D-Druckern sich diese "Datei" an beliebigen Orten dieser Welt ausdrucken lassen - bezahlt wird es mglws. mit Bitcoins. Kann das? Das kann wohl.

 

Funktionieren tut das alles schon und ist auch zu erträglichen Preisen im Handel. Zwar meist basierend auf Kunststoff, und Erdöl ist endlich. Aber z. Z. ist ja das Up-Cyceln, also das Wiederverwenden verbrauchter Materialien, der Trend, da werden sich Wege aus dem gelben Sack oder der gelben Tonne in unsere Vitrinen oder als Schmuck um den Hals finden lassen. Nö, denken wir, da ist meine Tochter Anna doch viel direkter: Sie schnappt sich gebrauchte Obstkisten, die phantasievoll und farbig in warmen Ländern hergestellt wurden, und lasert dort die unterschiedlichsten Objekte heraus, das wird ausgesprochen gefragter Schmuck und immer mehr Läden und Onlineanbieter zeigen Interesse. Ihre Börse sind die Designer-Märkte. Und wir sind sicher, wer will, der kann auch mit Bitcoins bezahlen. Denn auch bei Ihr ist die Trennung des Realen vom Virtuellen nur theoretisch. Wir leben in einer hybriden Gesellschaft. Und deshalb schauen wir gespannt darauf, wie unsere Gesellschaft, unser Staat, unsere kleine Welt vor Ort am Obenende darauf reagieren und sich anpassen wird. Muss das? Das muss.

 

Der Kaffee ist aber noch ganz Bohne (und nicht ohne . . . ). Tschüss 

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