Wulff, Pistorius, legal und legitim . . .

Das Ende eines Buffets
Das Ende eines Buffets

Moin, da frage doch mal einer, weshalb uns Wahlen so ziemlich egal sind. Das kommt von den Medien! Ja, die Medien sind daran schuld. Ist doch ganz einfach wenn die nicht berichten würden, dann würden wir doch immer gerne alle paar Jahre zur Wahlurne gehen, wählen was wir immer schon gewählt haben und das Gefühl mitnehmen: Ja, die tun was. Oder: Klar, sind die Schwatten oder die Sozen oder die andern, wer auch immer. Man würde uns in Ruhe lassen mit den Dingen, die wir sowieso nicht verstehen, weil sie in einer anderen Liga spielen und die wir auch nicht benötigen. Wir brauchen auch keine Steueroasen, wir haben unsere Sparkasse, das reicht. Aber die Presse, wir brauchen sie wegen der Geburts- und Todesanzeigen, bringt das alles durcheinander, denn sie will uns ja auch etwas Werbung verkaufen. Also müssen Inhalte drum herum. Und wenn sonst kein Mann den Hund beißt, dann gibt es Leserbriefe oder politische Skandale, da muss man nicht so genau informieren, die Leser verstehen das schon. Aber die Leser sind auch Wähler und verstehen das gar nicht mehr. Das sind nicht ihre Probleme, aber die packt auch niemand wirklich an. Und nur deshalb haben sie langsam die Schnauze voll, wenn das Politik in einem demokratischen Rechtsstaat sein soll! Ach so, der kommt bald ins Rentenalter? Kann das? Das kann.

 

Und dann? Wulff wird sich rechtlich rehabilitiert haben, weil seine teuren Anwälte es geschafft haben, sein Handeln als legal darzustellen. Legal deshalb, weil es keinen belastbaren Beweis für illegales Handeln gibt. Nur deshalb, ob das alles legitim war, danach wird nicht gefragt. Und "legitim" hinterlegen wir einmal mit "politisch korrekt" was sich allerdings von der weitergehenden "political correctness" etwas absetzt. Pistorius wird weiterhin gescholten, weil er sein Recht wahrgenommen hat, nach seinem Amtsantritt als niedersächsicher Innenminister drei Polizeipräsidenten abzulösen. Sein Verhalten wird als politisch falsch - also nicht legitim - eingeschätzt. Obwohl grundsätzlich alle Regierungen nach einem Wechsel der politischen Farben so oder ähnlich reagieren. Aber hier ist immer noch eine Wahlniederlage zu verarbeiten. Und wenn der Zeitung allmählich der Stoff für Neuigkeiten ausgeht, dann schiebt sie geifernde Leserbriefe nach ("... Ich könnte mich übergeben ..." stand gestern in einem). Und Wahlkampf ist auch. Und irgendwie erinnere ich mich an das Dortmund im Herbst 1999: "Wir jagen die rote Brut aus dem Rathaus", tobte mir eine kreischige Mutter ins Gesicht, als ich ihr erläuterte, warum das jetzt mit der Briefwahl ihrer Tochter schwierig werden würde. Ganz legal, aber natürlich nicht (partei-) politisch korrekt! War das? Das war wohl.      

 

Legal und legitim - das ist jetzt das Begriffspaar, mit dem wir unseren Rechtsstaat aushöhlen werden. Weil wir nicht verstehen wollen, dass Wulffs Immunität als Bundespräsident zunächst aufgehoben werden musste, bevor man gegen ihn ermittelte - und das war mit Sicherheit durch den seinerzeitigen Innenminister "von eigenen Farben" abgedeckt, Bernd Busemann aus dem Emsland. Darüber steht nichts in der Ems-Zeitung. Und Pistorius war zuvor Oberbürgermeister in Osnabrück, unweit des Emslandes. In der Stichwahl deutlich mit Unterstützung grüner Wähler ins Amt gehoben. Osnabrück ist im Rat mit einer Stimme mehr rot-grün. Ich kenne solche Konstellationen. Mag gut möglich sein, dass Schwatte da etwas an eigenen Vorstellungen vermissen. Uns ist das schnuppe. Wir vermissen dagegen Steuergerechtigkeit. Es kann doch nicht wahr sein, dass Steueroasen legal sind, wo kleine und große Geldbeträge geparkt und steuerfrei weitergereicht werden können, weil sie in eine mittelständische Briefkastenfirma investiert wurden. Darf das? Das darf nicht.

 

Und wir vermissen ein Wort der Gerechtigkeit, wenn es darum geht, dass jemand vom Bedienungspersonal nach Ende der Party mal eine Schnitte vom Buffet selber gegessen hat, anstatt alles zu entsorgen, ein Wort zu dem, der einen Rhododendron mitgenommen hat, den er zuvor ausgegraben hatte und nun eigentlich wegschmeißen sollte. Doch das verhandeln die Arbeitsgerichte. Und egal, ob legal oder nicht - der nächste wo man sich bewirbt, wird es als nicht legitim bezeichnen - genauso wie Wulff es erleben wird, falls im kein illegales Handeln nachgewiesen werden kann - oder ist das da anders? Kann das? Das kann.

 

Den Kaffee haben wir selber bezahlt, wenngleich - vielleicht gibt es dafür auch andere Modelle . . . Tschüss    

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Kommentare: 1
  • #1

    Hedi (Dienstag, 09 April 2013 09:09)

    Deine Betrachtung der Welt - und das Obenende ist die Welt! - macht nicht nur Vergnügen, sondern vermittelt auch eine andere/neue/differenzierte Sicht auf die politischen Gegebenheiten in unserem Lande.Ich werde die weitere politische Entwicklung in diesem Wahljahr unter dem Aspekt "legal und/oder legitim" betrachten.
    Und weil ich das Reimen nicht lassen kann:
    Ob legitim oder legal,
    das ist mir wirklich nicht egal.
    Die politische Moral
    hängt davon ab - auf jeden Fall!