Was dem einen sein Marzipan, ist dem anderen seine Energie

Andeutung eines Urzustandes
Andeutung eines Urzustandes

Moin, ein Konsens wurde im Vorfeld eines langfristig wirkenden Gesetzes gefunden, ein Konsens, der alle zufrieden gemacht hat. Es geht um die Endlagerung hochverstrahlter Reste aus Atomanlagen. Und was geht uns das am Obenende an? Also zunächst geht es jeden an, denn das Zeug muss für alle Ewigkeit sicher verschwinden - wobei Ewigkeit ein Begriff ist, der hier im Emsland wohl wirklich so verstanden wird, in echt aber vielleicht einige 10.000 Jahre bedeutet, also nach uns und den übrigen Neandertalern. Und dann besonders das Obenende? Nun, es sollen jetzt vergleichende Kriterien für fünf Standorte gefunden werden, einer bleibt Gorleben, und einer von den vier neuen ist Wahn/Emsland, ein alter Truppenübungsplatz der längst aufgegeben wurde, vor 35 Jahren schon in der engeren Wahl stand und mit dem Fahrrad von hier aus gut in einer bequemen Tagestour zu erreichen ist. Dass die Kreisverwaltung des Emslandes diesen Standort umgehend als ungeeignet bezeichet, das verstehen der Landrat und sie selber wohl als ihre wohlverstandene Pflicht, ist aber völlig ohne jede politische Bedeutung.  Die anzulegenden Kriterien liegen ja noch nicht einmal fest. Kann das? Das mach wohl.        

 

So in 20 Jahren braucht man ein solches Endlager und wird jetzt alles gründlich prüfen. In der Region rührt sich heute noch nichts, warum auch? Das Zeug muss irgendwo hin. Ein Bahnanschluss liegt da auch schon - und wenn's passt? Die nächsten paar hundert Jahre wird man Ruhe haben - und dann liegt sowieso alles in einer übergeordneten Verantwortung. Und wenn der Atomausstieg damit auch vollzogen wird, ist es ja eine gute, weil unvermeidliche Sache. Das Lied von den Moorsoldaten wird sicherlich auch eine ganz neue Bedeutung erlangen, ohne Spaten. Kann das? Das kann.

 

Aufmerksam liest man nun dieses in der Ems-Zeitung und macht sich so seine Gedanken. Aber auch jenes reizt zur Vertiefung und Freude: "Noch mehr grüner Strom vom Hümmling", heißt es im heutigen Lokalteil der Ems-Zeitung. Und damit sind die nördlich des Truppenübungsplatzes gelegenen Samtgemeinden, u. a. Lathen und Sögel, gemeint. Die produzieren bereits 120 % ihres bürgerschaftlichen Bedarfs aus nachhaltigen Energieträgern: Windkraft, Solaranlagen und Biogas. Natürlich spricht das auch Bände über die dortige Wirtschaftsstruktur: große Mastställe mit viel Dachfläche und Betriebe mit weiten Maisfeldern pp. Und das soll jetzt im Verbund ausgebaut werden. Da werden Fördermittel besser einzubinden sein, nachhaltige Energiewirtschaft und Naturstandort, viel Naturschutz und mehr Energie, ist das von einem Ingenieurbüro versprochene Ziel. Kann das? Das kann.    

 

Der Kommentar in meiner Ems-Zeitung bringt das auf einen zuckersüßen Nenner: "Vielleicht wird in ein paar Jahren das Wort Hümmling ebenso mit grünem Strom gleichgesetzt wie Lübeck mit gutem Marzipan." Das zieht und man legt noch einen drauf: Das wäre nicht möglich gewesen, wenn man den Bau eines Kohlekraftwerkes in Dörpen zugelassen und sich nicht vehement dagegen gewehrt hätte - aus vielerlei Gründen, fügen wir hinzu. Ach, denke ich, in Dörpen ist doch eine ganz andere Wirtschaftsstruktur, da wird der Logistikstandort ausgebaut und die Fa. UPM Nordland produziert jährlich 1,3 Mio t. Papier, sehr energieintensiv. Wo die wohl ihren Strom herbekommen, aus dem Hümmling, den eben genannten Samtgemeinden? Bestimmt nicht. Vielleicht hätte das Kraftwerk dafür einen kleinen Sinn gegeben? Irgendwo muss der Strom ja nun mal herkommen. Aber, man hat es zu verhindern gewusst, und ich werde den Verdacht nicht los, als wenn es da jetzt gewisse Zusammenhänge gäbe, zwischen der Option, irgendwann mal Endlager zu werden und heute als Natur-Standort Förderknete abzugreifen, mit dem dezenten Hinweis, man hätte ja schon mal einen Kraftwerksbau verhindert. Kann das? Das kann wohl.

 

Denn wenn man von dem einen Hochsitz im Moor aus den Vogel als eine Eule ansieht, dann wirkt er von dem anderen aus gesehen vielleicht wie eine Nachtigall, zumindest wird so glaubhaft berichtet. Das mach wohl.

 

Das wird nicht einfach werden hier im nördlichen Emsland, rund um das Oben- und Untenende herum. Hauptsache ist, dass wir jetzt unseren Kaffee kriegen - wo wir den dann nachher hinbringen, wird sich zeigen. Tschüss.   

 

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