Kindheit im Glück oder Unglück

Weltpfadfindertreffen 2002 in Bangkok
Weltpfadfindertreffen 2002 in Bangkok

Moin, es geht hier nicht um die vom Krieg geschändeten Kinder, nicht die Kinder, welche in absoluter Armut aufgewachsen sind, nie wussten, ob es was zu essen geben würde, nur darauf vertrauten, weil sie es nicht besser gelernt hatten. Es geht um die Kinder Deutschlands - und somit auch vom Obenende, dem gesamten Emsland, aber auch aus der Stadt am Anfang des Kanals. Jedes siebte Kind ist unglücklich, schreibt unsere Ems-Zeitung und beruft sich auf eine Studie des Kinderhilfswerks UNICEF. Das sind etwa 15 %. Und wir wissen, dass vielerorts auch 30 % der Kinder bis 14 Jahren unter der Abhängigkeit von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch aufwachsen. Man nennt das allgemein Hartz IV. Mindestens die Hälfte von ihnen bezeichnet sich also nicht als unglücklich - ein Hoffnungsschimmer. Kann das? Das kann.

 

Aber undankbar müssen sie zudem auch noch sein, durchfährt es uns, denn eigentlich verfügen sie über ein gutes Lebensumfeld - Platz sechs im Vergleich mit 29 westlichen Jndustrieländern: Bildung, Gesundheit und Sicherheit, da fehlt es ihnen an nichts. Dennoch, im Vergleich mit der Studie von 2009 ein Absturz von Platz 12 auf 22 - in Sachen glückliche Kindheit. Nun wollen wir uns nicht mit den Einzelheiten der Studie auseinandersetzen, wie vergleichbaren Stichproben, die Indikatoren, des einzurechnenden Fehlers usw.. Entscheidend sind die öffentlich präsentierten Rückschlüsse, denn um diese Diskussion geht es ja. Der Deutsche Kinderschutzbund stellt nämlich fest, dass deutsche Kinder so wenig Mitgestaltungsmöglichkeiten wie kaum anderswo haben. Wir sind diesbezüglich ein Entwicklungsland. Und da Kinder grundsätzlich positiv eingestimmt sind, müssen die unglücklichen sehr ernst genommen werden. Die Politik hätte grundsätzlich an den Interessen der Kinder vorbeigearbeitet, schließt er sein Statement. Naja, es reicht ihnen sicherlich aus, mehr Platz zum Spielen zu haben, Freiräume ohne Saufen und Abhängen, nur Gestalten und Gestalten lassen. Denn sie sind Kinder und keine kleinen Erwachsenen - so auch die SPD-Vertreterin, unterstützt von der CSU-Sprecherin, die zusätzlich noch gesunde Erhährung anführt, obwohl wir da eigentlich ganz gut stehen . . . Beide würden es sicherlich begrüßen, wenn die Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen würden. Das mach wohl.

 

Die (bekannten) Sozi- und Psychologen, welche anschließend zu Wort kommen, weisen dann auch besonders auf den Leistungsdruck hin, der auf den Kindern lastet, und es gibt eben welche, die dem nicht standhalten können, auch aufgrund ihrer Herkunft. Kinder haben heute - etwa bei zunehmenden Scheidungszahlen - mehr gesellschaftliche Verantwortung zu tragen. Zuletzt wird dann noch Prof. Hurrelmann mit seiner Forderung nach stärkerer Beteiligung in Schule und Freizeit zitiert - aber das weiss man ja schon. Kann das? Das kann.

 

Wir stimmen mit dem Kommentar in der Ems-Zeitung weitgehend überein, irgendwie ein Jammern auf hohem Niveau, aber doch Anlass nachzudenken: Es muss Erwartungsdruck von den Kindern genommen werden und Familien sind wirtschaftlich zu stärken. Allerdings, irgendetwas fehlt doch noch . . . Richtig, da reden nur Erwachsene, von den Kindern stammt eine Stichprobe, also ein Durchschnittswert aller Kinder - vielleicht wäre es mal gut, den mit einer durchschnittlichen Einschätzung aller Erwachsenen zu vergleichen . Oder aber: Einzelnen Kindern auch die Möglichkeit einzuräumen, das Ergebnis zu kommentiern. Geht bestimmt - oder haben wir die Strukturen dafür auch um unsere Kinder herum aufgebaut? Kinderparlamente und Jugendwahlen, es gibt eine ganze Anzahl solcher Projekte - warum werden die nicht mal zu einem Statement hierzu bemüht? Vielleicht weil sie am Bedarf vorbeigehen? Dann fragt doch mal die Pfadfinder, die unabhängigen bspw. vom BdP. Die wüssten was zu sagen, nämlich Freiräume und wachsende Selbstverantwortung schaffen, nicht immer reinreden, Fehler machen lassen, aber immer im Hintergrund einen Fuß auf der Notbremse. Diese auch mal mutig treten und sich der nachfolgenden Kritik aussetzen. Muss das? Das muss.

 

Und so trinken wir genussvoll unseren Kaffee. Tschüss.     

Kommentar schreiben

Kommentare: 0