Mehr Respekt vor Politikern!?

Denkmal des unbekannten Bergmanns
Denkmal des unbekannten Bergmanns

Moin, gestern war der Bundespräsident in Hannover zum Besuch des Landes Niedersachen angereist. Unser Lokalchef von der Ems-Zeitung mittendrin, denn Landtagspräsident Bernd Busemann kommt ja aus Dörpen, von nebenan also. Und so war es auch ein Empfang beim Landtag und dessen Präsidenten, bei Tee und Bernd Busemann aus dem Emsland. Dass der dann auch die Verbindung zum englischen Königshaus verkürzt darstellte gehörte zur Berichterstattung, genauso wie der erteilte Hinweis, dass der Fotograf des Landtages eine Treppe höher warten würde und nur noch wenige Tage bis zu seinem Ruhestand hätte. Ganz familiär und ungezwungen ging es zu. Es passte auch nicht unbedingt in dieses Bild, dass der Bundespräsident vom SPD-Ministerpräsidenten und seiner Frau empfangen wird. Die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten hält dabei einen bunten Blumenstrauß hoch, jedoch in der weiteren Berichterstattung hat ein Treffen der beiden, Gauck und Weil, wohl eher nicht stattgefunden - ein kurzer Absatz irgendwo eingestreut. Dann ging es weiter zu verschiedenen Rathäusern. Kann das? Das mach wohl.

 

Interessant vielleicht noch als Randnotiz, dass Busemann mit dem Bundespräsidenten vor der deutschen Fahne für die Presse posiert. Weil wird vom Bundespräsidenten mit auf den Weg gegeben, doch jetzt auch die den Landsleuten versprochenen Vorhaben umzusetzen.  Von Wulff war nicht die Rede, heißt es. Aber etwas anderes stand wohl im Mittelpunkt der Botschaften, die Gaucksche Forderung nach mehr Respekt vor Politikern. Ohne sie würde Chaos entstehen. Und ich höre jetzt manchen rufen: Mit Ihnen auch, wo ist der Unterschied? Kann das? Das kann.

 

Respekt, so denken wir hier am Obenende, muss man sich erarbeiten. Und sicherlich denkt man sich das auch am Anfang des Dortmund-Ems-Kanals. Vor dem BVB hat man in ganz Europa Respekt - auch wenn der aus Münchner Sicht nur sehr verhalten zum Ausdruck kommt. Respekt habe ich vor Helmut Kohl gehabt, weil der den historischen Moment der deutschen Wiedervereinigung mit als einer der ersten begriffen und konsequent verfolgt hatte, ohne "wenn" und "aber"! Allerdings hat sich Respekt dann bald aufgebraucht. Respekt hatte und habe ich vor der Leistung von Willy Brandt - ungeschmälert bis heute. Nachhaltigen Respekt hatte ich auch irgendwann vor Helmut Schmidt - trotz NATO-Dop-pelbeschluss. Ich habe immer Respekt vor Politikern gehabt, die zu ihren Absichten standen, nicht allein das Fähnlein in den Wind hängten. So fällt es auch nicht schwer, eine bunte Reihe aufzumachen mit der Frage: Wer hat unseren Respekt denn nun wirklich verdient - durch sein oder ihr Wirken? Muss das? Das muss.

 

Bechtluft (BM Papenburg), Sierau (OB Dortmund), Fehlemann (StD a.D. Dortmund), Merkel (Bundeskanzlerin), Kraft (Ministerpräsidentin NRW), Wulff (BP a.D.), Rösler (Vizekanzler), Rüttgers (Ministerpräsident a.D. NRW), Steinbrück (Ministerpräsident a.D. NRW und Kanzlerkandidat SPD), Czierpka (Bezirksbürgermeister DO-Brackel), Raske (Fraktionsvorsitzender SPD Papenburg, Connemann (MdB Papenburg), von Bülow (MdB Dortmund), Obama (Präsident), Putin (Präsident), Franziskus (Papst), von Münch (RM Dortmund). Die Liste kann verlängert werden und ist so eher zufällig. Und wenn wir jetzt einmal in sozialen Netzwerken nachfragen, vor wem man denn Respekt haben sollte - sicherlich würde jeder einmal genannt, aber genauso von anderen als nicht respektwürdig bezeichnet. Kann das? Das kann.

 

Und so ist es dem Grunde nach eine leere Formel: Respekt vor Politikern. Umgekehrt würde es sicher mehr Sinn geben: Mehr Respekt für die Interessen der Bürger von der Politik! Und auch das zielt ins Leere - warum wohl? Weil wir es immer alles einseitig sehen, aus unserem Blickwinkel, wie wir es auch immer vom Frühstückstisch am Obenende aus nur einseitig erkennen und überzeichnen. Politiker werden dann sehr schnell wieder mehr Respekt erwarten können, wenn sie ihre Wähler respektieren - sogar in deren Anspruch, ernst genommen zu werden. Aber auch wenn sie für Transparenz stehen, Einschnitte glaubhaft machen können. Dafür bedarf es allerdings einer Kultur des Miteinanders, nicht der Ängstlichkeit von Politikern, die dafür noch Respekt erwarten. Klare Kante stattdessen. Muss das? Das muss.

 

Eine klare Kante so stark wie unser Kaffee. Tschüss.    

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Kommentare: 4
  • #1

    zypresse (Freitag, 12 April 2013 12:34)

    Ja, ja - Respekt vor Politikern, das ist so eine Sache.

    Und durch Deine Gedanken angeregt habe ich auch überlegt, bei welchem Politikernamen ich denn wohl Respekt empfinden würde. Mir ist leider nur einer eingefallen, und der ist noch nicht einmal ein deutscher Politiker: Respekt und zwar tiefsten Respekt habe ich vor der lebenslangen Leistung des südafrikanischen Politikers und Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela.

  • #2

    loire2012 (Freitag, 12 April 2013 13:01)

    Ja, Nelson Mandela hatte ich vergessen aufzuzählen - aber ich denke, der BP meinte auch durchaus die ehr viel niedrigere Ebene der täglichen Begegnungen von Bürgern mit Politikern - eben unsere politische Umgangskultur.

  • #3

    zypresse (Freitag, 12 April 2013 13:08)

    Ist es nicht erschreckend, dass mir bei unserer politischen Alltags-Umgangs-Kultur keiner einfallen will?

    Klar gibt es den ein oder die andere, den / die ich für Teile seiner / ihrer politischen Leistungen bewundere, den ich bei bestimmten Aufgaben für einen guten Fachmann/eine gute Fachfrau halte - aber Respekt im umfassenden Sinne? Nein, da fällt mir wirklich keiner ein!

  • #4

    loire2012 (Freitag, 12 April 2013 18:40)

    Ich habe während meiner Arbeit Menschen kennengelernt, die mit straffer Hand geführt haben, z. B. Kurt Köster als Jugendamtsleiter. Sicher musste man als Kollege immer aufpassen. Aber er war auch Sozialdemokrat und Gewerkschafter, hat aus seiner Position NIE ein Hehl gemacht. Er war natürlich auch politisch aktiv. Und als ich mich bei ihm vor einem Jahr verabschiedet hatte (er lebte inzwischen 85jährig mit seiner Frau in einem Seniorenstift) war es ein sehr rührender Abschied. Ich respektiere ihn, weil er immer gerade geblieben ist, in der und für die Sache. Und da war da Heiner aus meinem OV. Eine ganz andere Welt als meine: AfA, Gewerkschafter und Hardliner. Aber auch immer mit dabei. Wir haben oft gestritten. Nachdem ich schon fort war, bekam er das Bundesverdienstkreuz. Ich habe ihm schriftlich gratuliert und dabei endlich das schreiben können, was er immer schon erfahren sollte: Meinen Respekt und meine Anerkennung für seine gerade Haltung - man muss ja nicht immer einer Meinung sein, um den anderen MENSCHEN zu respektieren. Er hat sich am Telefon dafür bedankt, denn es hatte ihm sehr gut getan.

    Das ist es, was ich meinte, sich respektieren, auch im Streit. Und da habe ich auch einige Menschen kennengelernt, die nicht "meine Farben" tragen.