Unvermeidlich: Wandel der Strukturen

Obenende: Splitting
Obenende: Splitting

Moin, wir können das Wort vom Strukturwandel schon nicht mehr hören, aber dennoch verfolgt es uns unentwegt. Und jetzt auch noch das Stadtbild vom Obenende! 40 Kanal-Kilometer durchziehen Papenburg und meist am Obenende. Die sind nicht entstanden, die bösen Ostfriesen davon abzuhalten, in die katholische Stadt einzumarschieren, auch nicht, um das Bötchenfahren in der Freizeit zu ermöglichen oder vor der eigenen Haustür mal eben das Mittagsessen zu fischen. Auch waren sie nicht in erster Linie zur Abführung des Haushaltswassers errichtet worden, sondern dienten schlicht der Entwässerung des Landes und als Transportweg für die Torfschiffe. Sie sind unentbehrlich gewesen, Papenburg zu kultivieren, und vermitteln heute den Eindruck, so die Tourismuszentrale, eines Venedigs im Norden - wenn man einige Abstriche zu machen bereit ist. Sie erinnern aber vor allem auf weite Strecken an Ideenreichtum, Arbeit und Schaffenskraft der Emsländer. Das mach wohl.   

Untenende: Hauptkanal
Untenende: Hauptkanal

Man kann da zwar kaum noch mit dem Boot rumschippern, weil die Brücken sich nur noch selten aufklappen lassen. Man hat oft auch vergessen, dass der Hauptkanal am Untenende bis in die 80er Jahre hinein bereits zugedeckelt war. Man hat erst dann seine Einmaligkeit entdeckt und ihn wieder so hergestellt, wie er heute auf den Touristen wirkt. Man hat dort auch große Segelschiffe hineingesetzt, als Erinnerung an vergangene Seefahrerherrlichkeiten, sogar die Brigg Friederike. Aber die sind alle gefangen zwischen den vielen Brücken. Stattdessen überspannen Blumenbänke sommers die Kanäle - wir sind ja eine Bumenstadt. Vielerorts hat man auch darauf verzichtet, die Kanalränder mit Bäumen zu beflanzen - denn die hätten früher ein Treideln verhindert. In den umliegenden Gemeinden, wie etwa Surwold oder dem ostfriesischen Rhauderfehn, war man weniger nachsichtig. Dort werden die Kanäle von Baumreihen begleitet und auch die Böschungsufer werden kaum noch gemäht. Das will man jetzt am Obenende auch einführen und zudem die anliegenden Grundstückseigentümer auffordern, die Kanäle weniger mit Phosphaten und Nitraten zu belasten. Das Problem ist nämlich die ungeheure Verkrautung und Verschlammung. Da müssen Mähboote regelmäßig ran und das kostet richtig Geld, 2 Mio. €, schreibt die Ems-Zeitung. Und die Fische haben daran auch keinen Spaß, sterben schon mal einfach so an aufgewirbeltem Schlamm, Sauerstoffmangel oder . . . man weiss es nicht ganz genau. Ob es hilft, können wir nicht beurteilen, das wissen die Ökologen wohl besser. Muss das? Das muss.

 

Aber das Stadtbild wird sich verändern, klagt die Zeitung. Ja und, antworten wir? Ein ungemähtes Kanalufer lässt sich zwar nicht mehr so gut zum Parken verwenden, aber ist doch nicht mit einem Vorgarten zu vergleichen. Das weiss auch die Zeitung, hat aber dennoch Vorbehalte: Die Erinnerung an alte Tugenden! Das ist uns doch locker mal so ein paar Millionen € an Unterhaltungskosten wert - oder? Obwohl, ich kenne keine Stadt in Deutschland mit so vielen Kreisverkehren, da hatte man durchaus Folgekosten sparen können . . .   

 

Also, mir wäre es lieb, wenn die Kanäle ökologisch weiterleben könnten. Ohnehin ist das gesamte Kanalsystem mit einem leichten Gefälle von knapp 3 m seinerzeit vorausschauend angelegt worden, eine leichte Fließgeschwindigkeit, durch die Mücken etc. keine Chance auf ungehemmte Vermehrung haben, Fische dagegen sehr wohl! Das wäre doch einmal ein Strukturwandel vor der eigenen Haustür und nicht die Erhaltung von Eindrücken nach Disney-Standards.

 

Mal sehen, wie das dann am Bethlehem-, Splitting- , Lüchtenburg-, Mittel- und Hauptkanal - und allen anderen - aussehen wird, in 20 - 30 Jahren. Und was die Gemeinde mit den eingesparten  20 - 30 Mio. € angerichtet hat.

 

Ja, darauf noch ein Kaffee und Tschüss.    

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Die Wasservogelfreundin (Samstag, 13 April 2013 15:47)

    Die Kanäle MÜSSEN ökologisch weiterleben; was würde denn sonst aus Kick, Krick und Krack werden? Und aus den anderen Enten von Papenburg?

  • #2

    loire2012 (Samstag, 13 April 2013 16:29)

    Ach, die Enten . . . die können da auch gut rüber laufen, so dicht sind die an manchen Stellen. Und zu fressen haben die Viecher auch genug. Aber die Fische! Entscheidender scheint jedoch zu sein, dass das alles nicht wirklich zählt, sondern die Erinnerung an die überlebte Funktion wichtiger zu sein scheint, so die "Öffentliche Meinung".