Renaturierung - wo die Natur zu Hause ist?

abgeerntetes Maisfeld ohne Renaturierung des Wegesrand
abgeerntetes Maisfeld ohne Renaturierung des Wegesrand

Moin, 71 Hektar wertvolller Rück-zugsraum für Tiere und Pflanzen wird in der Samtgemeinde Sögel durch Renaturierungsvorhaben gewonnen - das suggeriert die Überschrift. Es macht neugierig, dahinter zu schauen. Denn eigentlich hatte ich die Vorstellung, dass Wald schon eine Art Rückzugsraum ist. Aber natürlich, wo Landwirtschaft gewirkt hat, da ist das Gelände zunächst für die Natur verloren - auch das lese ich so im EL-Kurier. Und jetzt geht es darum, die Wegeseitenräume der Natur zurück-zugeben. Aha. Klingt ja gut und ich werde sogar schnell fündig, nämlich beim Jägerbiotopfond. Da geht es nämlich aktuell in Esterwegen darum, den Landwirten mal Bescheid zu sagen, hatte auch kürzlich in der Ems-Zeitung gestanden: Wir haben mit Euch eine Flurbereinigung veranstaltet und Eure Äcker neu vermessen, neue Grenzsteine gesetzt und dabei auch die Wegeseitenränder berücksichtigt. Und was habt Ihr gemacht? Lustig weiter rumgepflügt, sodass wir die Grenzsteine oft nicht mehr wiederfinden. So nicht! War das? Das war.

 

Es ist nämlich so, dass in den Gemeinden gelegentlich Industrie-, Gewerbe- und Wohngebiete ausgewiesen werden. Egal, ob das nun eine schicke Neubausiedlung ist, die Verlagerung eines Kfz-Betriebes oder die Ausweitung des Schlachthofes, mglw. auch die Neuanlage eines Großstalles - das sind Eingriffe in die Natur, in ökologische Zusammenhänge. Da entsteht ein Schaden und der ist auszugleichen. Hat man keine Ersatzfläche, dann legt man Geld auf den Tisch. Ja, und mit diesem Geld werden bspw. Wegeränder angekauft (Flurbereinigung) und anschließend renaturiert. Das nämlich fordern auch die Jäger, die immer seltener die Rufe vom Rebhuhn, Kiebitz und Brachvogel zu hören bekommen, auch Hasen und Fasane werden zunehmend weniger. Da stimmt was in der Natur nicht mehr. Die Viecher bauchen Rückzugsräume um sich zu erholen. Kann das? Das kann.

 

Warum machen die das, die Jäger? Nun, ich bin Angler und freue mich auch an einem schönen Gewässer, an der Artenvielfalt von Vögeln bspw., dem klaren Wasser etc., auch natürlich an einem artenreichen Fischgewässer. Das mag der Waidmann auch so sehen - aber dann soll man das auch so sagen. Ein Rückzugsraum bietet immer nur Schutz bis zur nächsten Treibjagd - das ist der Unterschied, mit Netzen wird kein Flussfisch gefangen, er muss schon überlistet werden. Und mit selbstlosem Naturschutz hat die Renaturierung der Wegeränder auch nichts zu tun. Und im übrigen sind die kein Bauernland mehr, die ackern also schon jahrelang auf fremden Terrain - wie schön, dass man das jetzt mal ganz kooperativ an einem runden Tisch diskutiert und am Ende die Vernunft siegen sieht - ich denke, viele Bauern sitzen auch mit der Flinte auf ihren Hochsitzen und treiben gelegentlich das Wild durch die Wälder und über die leeren Äcker, sind also Jäger. Da trifft es sich doch gut, wenn Ausgleichsabgaben, die aufgrund eines Eingriffs im Stadt- oder Dorfgebiet angefallen sind, im Grenzbereich zwischen Acker und Wald ausgeglichen werden. Haben dann alle was davon, der Bauer, der Jäger und der gelegentliche Spaziergänger. Vielleicht bekommt letzterer dann auch mal einen Fasan lebend zu sehen, oder ein Rebhuhn oder einen Hasen. Das mach wohl.  

 

Ich habe ja nicht gedacht, dass die Renaturierung in Sögel soviel an einem Sonntag hergibt, aber man kann das Modell jetzt auch auf große Städte übertragen und sich fragen, wo die Renaturierung von 71 Hektar Acker- oder vergleichbarer Fläche in schmalen Streifen von wenigen Metern mehr Sinn bringt, in der Stadt bei KM 1 des Dortmund-Ems-Kanals, oder bei KM 226, auf der freien Fläche, dort wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Ja, ja, Synergieeffekte - welche eigentlich - sind auch zu berücksichtigen . . . Muss das? Das muss.

 

Wir verabschieden uns deshalb mit einem Moin, trinken das Käffchen aus und sagen Tschüss.   

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