Sonntags - was tun?

evangelische Kirche am Hauptkanal (Pbg.-Untenende)
evangelische Kirche am Hauptkanal (Pbg.-Untenende)

Moin, was tun am Sonntag? Also früher war das ja klar - da gings rechts rein. Aber heute ist das nicht mehr ganz so selbstverständlich. Auch nicht bei der katholischen Kirche. Möglich, dass das "rechts rein - links raus" den vermuteten Gang durch den Kopf meinen könnte, aber das ist nicht bewiesen und in dieser dargestellten Form auch schlecht möglich. Im Grundsatz sind unsere Sinnesorgane für die Aufnahme von Reizen eingerichtet, nicht für deren Freilassung. Wir müssen das Empfangene schon irgendwie verarbeiten. Muss das? Das muss.

 

Wenn ich etwa diesen typischen Geruch von rheinischem Sauerbraten wahrnehme, dann geht der direkt ins Hirn und dat sacht mich (ja, ist so als Ruhrgebietsvariante der westfälischen Form richtig!), dass es Sonntag gegen 12:30 h ist, ich mich in DO-Schüren aufhalte und mein Nachbar gerade nicht in seiner Ferienwohnung in Malaga ist. Und wenn zeitgleich ein kleiner Benzinmotor im höchsten Drehzahlbereich aufheult, dann weiss ich auch, das der Opa ein Grundstück weiter gut zufrieden ist (was jetzt allerdings grundfalsch eine emsländische Form von "grunz-zufrieden" darstellt). Wir sind immer noch im Ruhrgebiet und verarbeiten Geräusche und -rochenes. Kann das? Das kann.

 

Und wenn wir jetzt mal nach draußen gehen, dann mag es sein, am Obenende wie in Dortmund-Schüren, dass man es feucht auf der Haut spürt, Regen, der die Kopfhaut nässt, gar nicht mehr so schrecklich kalt und auch nicht mehr schmelzend, ist schon in Wasserform angekommen. Und auch das vermittelt uns gemeinsam mit einer zunehmenden Wärme der Luft ein Signal: Frühling! Das ist fest gespeichert. Wir kämen doch nicht auf die Idee, das derzeitig gefühlte Wetter als Herbst oder Spätwinter zu bezeichnen - oder? Nein, wir sind sehnsuchtsvoll auf Frühling gebürstet.    

Dass sind die Bilder, die visuellen Wahrnehmungen, ausgelöst durch die empfundene Wärme aufgrund langjähriger Erfahrungen. Erinnerungen an eine andere Zeit voller sinnlicher Erfahrungen der anderen Art, jetzt freuen wir uns schon über die ersten herausbrechenden Staudenpflanzen - die Frühblüher aus den Gewächshäusern wurden ja milionenfach vernichtet: keine Chance in diesem Jahr! Kann das? Das kann.  

 

Und was hat das alles mit dem Kirchentor zu tun? Etwas Ernüchterndes: Mit meinen ganzen Sinnesorganen kann ich die Welt erfassen, ihre Veränderungen, Ahnungen von dem entwickeln, was eigentlich dasein sollte, was noch fehlt oder fehlentwickelt ist. Ohne Nachdenken, rein intuitiv. Aber mit der Kirche, die mich doch seit meiner Geburt und meiner Taufe verfolgt, die nahe mir steht, die doch eigentlich das hinter dem sichtbaren Weltgeschehen erlebbar machen möchte, über den Glauben daran der Natur einen höheren Sinn gibt, also damit klappt das nicht. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Sorry, Mädels und Jungs, ihr mögt Euch ja große Mühe geben, aber seid Ihr auch auf dem direkten Weg, so wie die Kraniche und Wildgänse, deren gleichförmigen Schreie mich immer wieder neu bewegen?

 

Man, und das im Rückblick auf den Sonntag, den 7. Schöpfungstag, den Ruhetag. Vielleicht auch ein Tag des "Denk mal". Jetzt kein Kaffee, weil auf Vorrat geschrieben und umdatiert. Tschüss.  


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Kommentare: 3
  • #1

    DieSonntagsfrau (Sonntag, 14 April 2013 13:19)

    da ist aber jemand seiner Zeit schwer voraus! :-)))

  • #2

    s.o. (Montag, 15 April 2013 11:03)

    Ordentlich, wie ich manchmal bin, habe ich den Montagsbericht auch erst heute gelesen. Sonst wäre mir das "auf Vorrat geschrieben" aufgefallen, und ich hätte meinen obigen Kommentar anders formuliert :-)))

    Die Kirche "verfolgt" Dich, schreibst Du. Wenn ich das im wahrsten Sinne des Wortes nehme, dann muss ich protestieren. "Verfolgen" tut die Kirche niemanden, wenigstens nicht die römisch-katholische:
    da wurde ich mit viel Brimborium, Weihrauch und Wasser in ihren Schoß aufgenommen, bekam die erste Heilige Kommunion, wurde gefirmt … und als ich Jahre später austrat, versuchte niemand, mich zu halten; dabei hatte ich meine Verteidigungsrede mit den Begründungen abrufbereit im Kopf. Nein, zum Austritt genügte eine simple Unterschrift beim (weltlichen) Amtsgericht.
    Das es genau wie die Kirche mit dem Artikel 4 des Rheinischen Grundgesetzes hielt:
    "Wat fott es, es fott!"

  • #3

    loire2012 (Montag, 15 April 2013 17:30)

    Es geht mir nicht um die Institution - aus der kann man austreten. Es geht mir um das "Spirituelle", das, was ich bei so manchem evangelischen als Begeisterung für den Glauben erlebt habe, wenn es bspw. zu einem Kirchtag geht - oder man von daher zurückkommt. Ich denke, mir gibt ein Moorspaziergang oder ein Strandurlaub mit gut Fisch grillen mehr Aufbruchsfreude . . .