Alles Endlager, oder was?

An der Wiege des Ruhrbergbaus
An der Wiege des Ruhrbergbaus

Moin, es wird Zeit, den alten Truppenübungsplatz Wahn nahe Meppen einmal wieder zu besuchen - Natur satt gibt es da, alte, ausgebrannte Panzer, die auch als Ziel von Übungsschüssen nicht mehr dienen, und aus der Luft sind noch die alten Strukturen zu erkennen: Wege, Unterkünfte und wohl auch noch Bunker, doch das muss man vor Ort erkunden. Und was noch viel tiefer liegt, da haben wir einige Vorstellungen, viel Salz nämlich, aber es gibt Rätsel auf, es ist zu erkunden, was damit anzufangen ist. Es erinnert mich an meine Schulzeit, als es um eine Hausaufgabe in Mathematik ging, also etwas sehr naturwissenschaftliches. Ein Mitschüler hatte das Heft zu Hause vergessen, sollte es dann aber noch schnell holen. Jeder wusste, dass er die Aufgabe nicht gemacht hatte. Wie würde er da rauskommen? Ich weiss nicht mehr genau, was passierte, als er entschuldigend vorbrachte, die Hunde hätten das Heft gefressen. Mag sein, dass er eine um die Ohren bekam. Was mich daran erinnert? Nun, 1970 hat die CDU-Landesregierung den Standort Wahn hier im Emsland als atomares Endlager kategorisch abgelehnt, mit einer Stimme  mehr im Landtag und um die Kreisreform in ihren Hochburgen nicht zu gefährden. Das schreibt meine Ems-Zeitung. War das? Das war.

 

Stattdessen kamen Gorleben und 40 Jahre Unfrieden - allerdings heute auch das absehbare Ende der atomaren Energiewirtschaft. Mit einem Endlager Gorleben war dessen Verfestigung geplant, eine ökologische Katastrophe, der man sich, soweit klaren Kopfes, widersetzen musste. Dafür stand auch Gorleben. Das hat sich geändert - bis auf die endgültige Ewigkeitslagerung des bislang angefallenen atomaren Restmülls. Dafür sind nun nicht jene verantwortlich, die jetzt einen Standort suchen. Den Müll haben andere zu verantworten, das nützt uns aber nichts. Wir alle wissen, dass er weg muss, für tausende von Jahren. Wir können das nicht aussitzen, wenn wir zumindest für ein paar hundert Jahre verantwortlich handeln wollen. Darum geht es heute. Ein Endlager ist Teil der Energiewende geworden, letzter Abgesang auf die Atomwirtschaft. Deshalb parteiübergreifend Kriterien aufstellen, deshalb raus aus den Wahlkämpfen eine sachgerechte Lösung suchen, deshalb dann, wenn alle Fakten, soweit deren Liste überhaupt endlich sein kann, auf dem Tisch liegen, entscheiden, politisch überzeugen und bauen. Muss das? Das muss.    

 

Wir tragen eine Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen. Immer wieder bürdet die eine der nächsten ihre ungelösten Fragen auf: Krieg und Schuld, finanziell ungesicherte Versorgungsperspektiven (der Staat haftet für die Rente, nicht das erbrachte Kapital!), Endlagerung  von atomaren Resten. Es gibt mehr als diese drei Generationenaufgaben. Aber schon regt sich Widerstand vor den Kirchtürmen. Aber, wenn ein  Standort politisch abgeschmettert wurde, dann ist seine tatsächliche Eignung noch lange nicht widerlegt. Eine Ohrfeige jenen, die ihre Hausarbeiten mit fadenscheinigen Argumenten nicht vorgelegt haben! Ob wir die Atomwirtschaft wollten oder nicht: Wir alle sind in Geiselhaft genommen worden, auch die Reste zu entsorgen. Das war von Beginn an klar und mehrheitsfähig - ein anderer Generationenvertrag als die Rente. Der jetzt aufgeflammte Widerstand unweit vom Obenende ist daher scheinheilig und folgt sehr kurzfristigen Gedanken. Er zeigt, dass große Projekte nicht umsetzbar sind, Verantwortung immer von anderen zu tragen und die eigene am Gartentor beendet ist. Die Folgen des Bergbaus im Ruhrgebiets und die Finanzierung ihrer Beseitigung ist auch so etwas, die Verkarstung der Alpen, der Hochwasserschutz der Flüsse und vieles mehr. Wir sind gemeinschaftlich in der Verantwortung, vorrausplanend und in der Beseitung der Folgen. Muss das? Das muss.    

 

Obenende ist nicht Nabel der Welt, das mögen andere für sich reklamieren. Aber auch hier leben Menschen. Und wenn die etwa dreihunder Jahre zurückschauen, dann standen hier allenfalls wenige verfallene Burganlagen und kleinere Siedlungen von sehr bescheidenen Hütten. Wie wird es hier in dreihundert Jahren aussehen? Unser Haus wird es nicht mehr geben - wen interessiert das heute? Aber, so Wahn Standort für ein  atomares Endlager sein wird (vier weitere mögliche sind genannt), etwas bleibt. Wird es einen Eingangsbereich geben, für Kontrollen? Oder ist alles total verkapselt? Es wird eine unvermeidliche Hypothek für die Zukunft, mit uns hat das nichts mehr zu tun, wenn alles entschieden ist. Aber vielleicht bekommt das Lied von den Moorsoldaten dann einen anderen, aber auch immer wieder neu verblassenden Sinn. Kann das? Das kann.

 

Einen Kaffee gibt es noch und dann schauen, was die Sonne heute so macht. Tschüss.         

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