Die Biogaserzeugung und der moderne Agronom

Fake-Foto: Das Eisenhüttenwerk in Duisburg
Fake-Foto: Das Eisenhüttenwerk in Duisburg

Moin, unweit vom Obenende liegt Meppen, unsere Kreishauptstadt mit ihrer Kreisverwaltung. Und weil das Emsland vorherrschend Bauernland ist, trotz vieler Industrieansätze (Atomkraftwerk, Papierfabrik, Gardinenfabrik, Kugellagerfabrik, Logistik und vieles mehr), geht es dort auch oft um typisch ländliche Belange. Nicht dass heute noch im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt (und dafür eine Genehmigung einzuholen hat, vielleicht sogar von der fernen GEMA . . . ), nein, es geht eher darum, den Gashahn im Oktober aufdrehen zu dürfen, um einmal im angefangenen Bild zu bleiben. Biogas, das zweite oder dritte oder wievielte Standbein auch immer eines Bauern, der über viele Hektar Land verfügt und nicht weiß, wohin mit den Resten oder was man nicht noch alles produzieren kann. Gülle fällt bei den automatischen Tierställen an und muss ja irgendwie raus. Maisanbau ist eine sichere Ackernutzung, wenn dieser immer ordentlich gedopt wird. Kein Ärger mehr mit schwankenden Getreidemärkten und Abhängigkeiten von wechselnden EU-Subventionen. Nein, rein in die häusliche Biogasanlage. Gas wird immer teurer, also lohnt sich das alles schon mal vorm Zug. Und die Subventionierung der Einspeisung ins öffentliche Netz wird auch nur einmal geregelt, den Rest macht der Steuerberater. Kann das? Das kann wohl.  

 

Da bleibt ausreichend Zeit, die 50.000 Legehennen per Knopfdruck zu füttern, vorher noch mal gelegentlich den Stand der wöchentlichen Futtermittelanlieferung nachzuschauen, ob "der da" alles richtig eingefüllt hat. Ein Blick auf den Monitor, ob die Kühe vorm Melkroboter schon Schlange stehen - alles in Ordnung, die scheinen gut zufrieden zu sein. Bei den Schweinen läuft es auch bestens, das zeigt das andere Bild, da kann man sich später mal drum kümmern, die werden nur unruhig, wenn da zu häufig jemand reinkommt, regen sich schnell auf und bekommen dann einen Herzinfarkt. Wird die Quote zu hoch, kann man sich das Kopfschütteln des Steuerberaters schon gut vorstellen. Das Wetter ist gut, also Zeit und Gelegenheit, die Äcker zu pflügen. Ab auf den Riesentrecker und bei Technomusic die Furchen gezogen. Muss das? Das muss wohl.  

 

Nun ja, alles nicht so kompakt wie hier geschildert, denn das Landleben kennt Grenzen, nicht alles was so scheint zu sein ist auch tatsächlich möglich. Es braucht ebenfalls auf dem Lande Genehmigungen. Ob die nun tatsächlich immer eingehalten wurden, etwa beim fröhlichen Umpflügen öffentlicher Wegeränder, das ist was anderes. Naja, es gibt hier kurze und lange Wege . . . Aber diese x-te Ernte, die Verwertung von Produktionsresten als Rohstoff für Bio-Gas, das ist eine ganz neue Qualität. Unser Agronom (jaja, der Begriff stammt aus einer anderen, inzwischen untergegangenen Welt) muss eine Genehmigung für die Produktion einholen. Vergleichbares war für die Nutzung seiner Weide bislang nicht der Fall, etwa die Zahl der Tiere dort. Seine Biogasanlage liefert die Energie für ein integriertes Blockheizkraftwerk, welches bis zu 4 MkW/h pro Jahr ins Stromnetz einspeisen darf. 3,9 MkW/h hatte er im Jahr 2009 abgerechnet, ok. Nun ist da eine mit "seiner Person verbundene Gesellschaft" die "in einiger Entfernung" ein Blockheizkraftwerk betreibt, welches mit Gas aus seiner Biogasanlage versorgt wird, ein sogenanntes Satellitenblockheizkraftwerk. Dieses hat nun 1,86 MkW/h im selben Jahr produziert. Wir verstehen jetzt vielleicht - in diesem Modell - besser, wie das mit dem Pferdefleisch funktioniert. Denn das erste Gericht (AG Meppen) hat gesagt, da wäre mehr produziert worden als genehmigt. Das zweite (OLG Oldenburg) hat dem widersprochen, Rechenfehler der Kreisverwaltung angeführt und alles zurück nach Meppen geschickt: "Die Rückzahlung kann nicht höher sein als der Preis, den der Landwirt von der Gesellschaft für das Gas bekommen hat." Zwar wäre wohl zuviel produziert worden, man dürfe aber nur den erzielten Preis abschöpfen. Und den hat er mit sich selber gemacht. . .   Wie im richtigen Leben auch. Kann das? Das kann.

 

Zudem wollten er (oder seine Gesellschaft) ja auch eine Genehmigung für das kleine Blockheizkraftwerk einholen, aber der Kreis hielt eine solche nicht für erforderlich, weil dieses in einem bereits genehmigten Gebäude untergebracht werden sollte - so sein Anwalt. Ganz nebenbei, es geht hier weder um Kartoffeln, noch um Erdnüsse (sog. "peanuts"), sondern um eine Rückforderung von 0,4 Mio €. Der Agronom wird zwar kein Bauer mehr sein, aber auch kein Ackermann und sein Konto eher bei der Volksbank haben. Kann das? Das kann wohl.

 

Ja, die Globalisierung unserer Weltordnung kann man im Emsland nachstellen. Nur Kaffee wird man hier sobald nicht anbauen. Oder geht das in Gewächshäusern, die mit überschüssigem Biogas zu heizen wären? Vorerst kommt der jedoch auch weiterhin aus Afrika direkt in unsere Tassen. Und das ist gut so! Tschüss

   

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