Die Unsichtbaren: Es ist die Angst, immer nur die Angst

Stück & Text: Eigenproduktion des Theaters navigare
Stück & Text: Eigenproduktion des Theaters navigare

Moin, am Freitagabend waren wir im Theater, das Amateurtheater navigare brachte im Forum "Alte Werft" sein neues Stück: "Die Unsichtbaren". Es war beeindruckend und auch bei der anschließenden Premierenfeier war es ausgesprochen diskussionsfähig - natürlich nur zwischen jenen, die es erlebt hatten, also hin. Eines vorweg, man wird eine exzellente Aufführung genießen und eine Ensembleleistung, die man bei der Truppe zwar erwarten kann, aber dann doch immer wieder nur erhofft - um anschließend gut zufrieden zu sein: War wieder ein toller Abend. War das? Das war.

 

Die Unsichtbaren haben ihre Alltags-und Lebens-Masken abgelegt, wohnen als kleine Gruppe in einem alten Schrott-Schiff und haben Angst ihr Gesicht zu verlieren, vertrauen sich gegenseitig dennoch ihre Lebensgeschichten an. Die sind nicht bruchfrei. Sie haben sich unsichtbar gemacht - bis die Angst sie auch hier in der alten Werft erreicht. Chris (Anna Bohlen) lebt atemberaubend die Geburt ihres Kindes nach. Jeder Darsteller hat seinen fantastischen Soloauftritt, passend zur Ensembleleistung. Eindrucksvoll der Monolog von Niki (Olga Hess), geschrieben von Norbert Knitsch, dem Regisseur: 

 

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Es ist die Angst, immer die Angst

 

Bin ich zu schnell, hastig ohne Zeit ,

ist es die Angst es nicht mehr zu schaffen.

 

Bin ich wütend oder verbittert,

ist es die Angst nicht ernst genommen zu werden.

 

Bin ich Eifersüchtig oder fühle ich mich verletzt,

ist es die Angst allein zu bleiben.

 

Bin ich Besserwisserisch oder verbissen,

ist es die Angst nicht gesehen zu werden, unwissend zu sein.

 

Bin ich zu dick, zu dünn , zu klein zu….,

ist es die Angst, nicht schön zu sein, nicht dabei zu sein.

 

Bin ich zu laut, zu energisch,

ist es die Angst nicht erhört zu werden.

 

Bin ich zu leise, zu zaghaft, verschämt,

ist es die Angst zu eitel zu sein

 

Bin ich zu höflich, nett, zuvorkommend,

ist es die Angst nicht lieb genug zu sein.

 

Bin ich zu liebend, umsorgend, ohne ein Nein,

ist es die Angst böse zu sein.

 

Bin ich ……….,

ist es……….


Es ist die Angst, es ist immer nur die Angst !

Wenn sie also das nächste Mal kommt, die Angst, dann sprich einfach mit ihr und sage:

Hallo meine liebe Angst, Du bist wieder da. Es ist schön, dass es Dich gibt, denn Du schützt mich vor Gefahren."

Es ist, wie mit der Freiheit; sperrt man sie in einen Käfig, dann ist der Käfig plötzlich leer.

 

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Die Orang-Utans haben mit dem Stück nichts zu tun, sind die Lieblinge im Dortmunder Zoo, fragt man die Kinder. Jeder Dortmunder nimmt Anteil an ihrem Schicksal. Sie wissen das nicht, fühlen sich unsichtbar zurückgezogen. Wer ist mit ihnen eingesperrt, die Angst oder die Freiheit? Am 14. Mai wird das Stück im Theater im Carré - dem Papenburger Zimmertheater - aufgeführt. Wir werden es erneut anschauen, mit den aufgeworfenen Fragestellungen im Kopf und Antworten suchend. Muss das? Das muss.  

 

Jetzt aber trinken wir erst einmal schön den Kaffee aus und Tschüss. 

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