Seitenkanal Gleesen-Papenburg

Der Dortmund-Ems-Kanal sichert der Schifffahrt einen Weg vom Ruhrgebiet zur Ems und somit auch bis Emden, um den nächsten Seehafen zu erwähnen. Zwar wird auch Papenburg passiert, eine alte Seefahrerstadt, wo viele Reedereien zuhause waren und Kapitäne ihre Häuser hatten, aber die wichtigere Hafenstadt ist heute Emden. Dort beginnt die Außen-Ems, die durch das Wattenmeer in die Nordsee führt, entlang der niederländischen Küste mit Delfzijl und Eemshaven. Damit die Schleppkähne den Emdener Binnenhafen aber sicher erreichen und wieder zurück verlassen konnten, war bereits Ende des 19 Jh. der Ems-Seitenkanal gebaut worden. Dieser verbindet den Hafen neun Kilometer flussaufwärts mit der Ems und ermöglicht eine ruhigere Zu- und Abfahrt als über den unruhigeren Dollart. Dort stören nämlich Seitenwinde  und Strömungen die Navigation der schwerfälligen Binnenschiffe. Dieser sog. Ems-Seitenkanal war denn auch der letzte Abschnitt des Dortmund-Ems-Kanals, wird aber heute nur noch von Sportbooten genutzt.

 

Dieser Seitenkanal wurde damals fertiggestellt - im Gegensatz zum Seitenkanal Gleesen-Papenburg.


Dies ist ein Beitrag der Blogparade von Zypresse zum Thema

 

"Alles fließt - Flüsse begleiten uns"

 

Es lohnt sich dort zu schauen, wer sich sonst noch und wie die Flüsse hinunter gleiten lässt. 



Bei der Meyerwerft geht es los - mit dem Seitenkanal Gleesen -Papenburg

Blick in die erste Kanalhaltung nach Süden
Blick in die erste Kanalhaltung nach Süden

Der Dortmund-Ems-Kanal kennt nämlich etliche solcher Teilstücke, denn immer wieder musste die mäandernde Ems für die Schifffahrt und ihre größer werdenden Schiffe passierbar gemacht werden.

 

Ein ganz besonderes Kanalstück ist dagegen von Papenburg bis zum Küstenkanal gebaut aber nie vollendet worden. Fachlich richtig wird es als Kanalhaltung bezeichnet, im Volksmund aber auch Ems-Seitenkanal genannt. Google-Map bezeichnet ihn als "Seitenkanal Gleesen-Papenburg". Die gesamte Kanaltrasse ist dem Grunde nach fertiggestellt, beginnend in Höhe der Meyerwerft in Papenburg zunächst bis zum Küstenkanal, wo die Papierfabrik UPM Nordland (Dörpen) ihre Produktion hat, und dann weiter fast bis zum alten Truppenübungsplatz Wahn in Höhe von Lathen, nördlich der Kreishauptstadt Meppen. Es gibt nur ein Problem für die Schiffbarkeit: Die Trasse ist  noch in viele kleinere Abschnitte unterteilt, die alle noch hätten verbunden werden müssen, es 

aber nicht mehr wurden – wir sprechen von den 20er und 30er Jahren des 20 Jh. So ist der Kanal bis zum  Küstenkanal gut sicht- aber nicht schiffbar. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht liegen die Abschnitte in der Landschaft, mal gibt es eine kleine Fließverbindung, mal nicht einmal diese. Wirtschaftlich haben sie keinerlei Bedeutung, der Freizeitwert ist lokal-regional zu bezeichnen. Anglerparadies natürlich, wenn die Gewässer nicht verkrauten würden, Tauchparadies, Badesee und Treffpunkt der Jugend, insbesondere an der sog. „gesprengten Brücke“ (die inzwischen wieder aufgebaut wurde), wo 1945 der Vormarsch der Engländer gestoppt werden sollte. Riesige Welse wurden von den Tauchern gefilmt, 30 Pfund schwere Karpfen und andere Ungeheuer, wie etwa gewaltige Hechte wurden auf Filmen dokumentiert – aber nur selten gefangen.

 

Die Natur holt sich zurück, was ihr Teil ist

Eine eigentümliche Wasserlandschaft, gesäumt von absterbenden Bäumen, die ins Wasser stürzen und dort liegen bleiben, weil sie niemanden behindern. Wohl erkennt man noch die Uferbefestigung eines Kanals, aber lange nicht an allen Stellen. Die Steine konnten bestimmt irgendwelche anderen Löcher stopfen oder sind schlicht überwuchert. Eine künstliche Wasserlandschaft, die als Kanal zu ihrer Zeit die Industrialisierung fördern, Transportwege sichern sollte. Die Natur holt sich jetzt ihren Anteil zurück, auch wenn es noch zig Jahre dauern wird. Durch den Zufluss einzelner schmaler Seitenkanäle, die selber wieder das Ackerland entwässern, steigt der Nährstoffgehalt des Wasser, wodurch die Algenbildung an der Oberfläche gefördert wird und die Krautbildung auf dem Grund. Besondere Fische wurden eingesetzt, riesige „Grasfische“, die Verkrautung zu bekämpfen. Dennoch, es ist Anglerland, auch wenn man Zander nur im Hafenbecken von Meyer und der Industrie fangen kann – alle anderen haben in der Kanalhaltung eine Heimat gefunden.  


Dreizehn Abschnitte sind es auf Papenburger Gebiet

Pfingsten an der gesprengten Brücke
Pfingsten an der gesprengten Brücke

Jeder Kanalabschnitt ist anders. Mancher hat tiefes, klares Wasser, lässt Sandboden erkennen. Ein anderer führt trübes Wasser. Die Gründe sind vielfältig, laden jedoch immer zu neuen Entdeckungen ein. Über die gesprengte Brücke wurde kurz berichtet, sie ist natürlich wieder aufgebaut, hohe Spundwände erinnern hier eindeutig an den ursprünglichen Zweck - und laden zu gewagten Kopfsprüngen ein. Pfingsten treffen sich hier Eingeweihte mit Wohnwagen, Womos und Zelten - wildes Campen, wo es ansonsten keinerlei Infrastruktur gibt. Abitiurfeiern wurden hier durchgezogen, die ganze Nacht hindurch bis zum frühen Morgen. Sorglos, denn es ist Stammland der Jugendlichen gewesen, jeder kannte jeden und hier lockte das kalkulierbare Abenteuer. Die Eltern brauchten ja nicht alles zu wissen - und vor allem einen nicht abholen.

Die gesprengte Brücke - diese Bezeichnung wird es wohl völlig sinnentleert noch in 100 Jahren geben - überbrückt die schmale Verbindung zwischen der zweiten und dritten Wasserhaltung. Diese dritte ist ein idealer Platz zum Baden, Tauchen und Angeln - alles kommt vor. Die Bilder sprechen ihre eigene Sprache. Und gar nicht fotografiert wurden jene drei Anglergruppen die während der gesamten Pfingsttage, also von Freitagabend bis zum Montagnachmittag, dort in Anglerzelten ausharrten, den großen Karpfen zu fangen, den 30pfünder, die kleineren werden häufiger gelandet.  


Ganz einfach hinzufinden ist es nicht. Und hier erwähnt sind nur die ersten Teilstücke. Auch auf der Karte ist nur die erste Hälfte des Verlaufs zu erkennen. Die Trasse der Kanalhaltung liegt meist quer zu den üblichen Verbindungen und parallele Wege gibt es auch nur gelegentlich und das auch dann meist nur für die Landwirtschaft. Die Lösung liegt im Fahrrad. Es gibt noch viel zu entdecken. Auch gerade wieder ab der Nr. 5, denn die Nr. 4 ist nur ein kleiner See dazwischen. Und bis Nr. 13 geht es dann in kurzer Folge weiter durch die Moorlandschaft.

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Kommentare: 1
  • #1

    zypresse (Dienstag, 23 April 2013 19:04)

    Danke für Deinen interessanten Beitrag über ein verstecktes, vergessenes Stückchen Wasser!