Die Toten Hosen: Niemals zu den Bayern gehen

(c) Hedi Glock - Beim BVB zu gast
(c) Hedi Glock - Beim BVB zu gast

Moin, das Frühstück hat uns gar nicht geschmeckt, trotz Kaffee, Toast und Ei. "Mario Götze geht zu den Bayern" heißt es bei bild.de. Und andere zitieren das lustig weiter. Bei facebook sind die Meinungen geteilt, ob es eine Fake-Meldung ist - egal, so kurz vor einem wichtigen Spiel kommt das nicht ohne Grund an die Öffentlichkeit, Santanas Wechsel nach Gelsenkirchen, Gündogans nach Madrid (inzwischen vom ihm dementiert), Lewandowskis nach irgendwohin, alle haben lfd. Verträge, sind aber dennoch käuflich. Ob's jeweils stimmt ist ja Wurscht, Hautsache etwas Unruhe stiften und nach außen den Saubermann rauskehren: Es ist schlecht für die Liga, wenn zwei Vereine - wie in Spanien - alles unter sich ausmachen. Wohl besser, wenn das einer an der Säbener Str. alleine macht. Abwarten, ob es stimmt, das mit den Transfers. Aber wenn dann morgen in der Zeitung stehen sollte, dass die ganze Mannschaft an Bayern München verkauft werden soll, etwa um dort aus schwarzem Geld sauberes zu machen, dann sollten wir heute vielleicht BVB-Aktien erwerben, denn die Dividende könnte ganz schön steigen . . . Das ist die aktuelle new economy, da lassen sich Geschäfte machen, man muss nur den richtigen Riecher habe - und glaubhaft immer das Gegenteil von dem versichern, was einem gerade durch den Kopf geht. Aber warten wir doch erst

einmal ab. Noch gilt der Satz der Toten Hosen, auch wenn die aus Düsseldorf kommen, "niemals zu den Bayern gehen" - das eint. Aber bereits Neuer lockte die Knete. Kann das? Das kann.

 

Es ist legal, dem Ruf des Geldes zu folgen, so sind unsere Gesetze. Und wenn man deren Regeln einhält, sowieso. Ist es auch legitim? Wie oft ist uns diese Frage in diesem Jahr schon begegnet! Denn die Frage der Legitimität stellt sich nicht im Dschungel der Paragrafen, sondern in unserem sozialen Umfeld,  unserer Bedeutung für andere, der Frage, ob unsere eigene Wertigkeit, unser Erfolg im weitesten Sinne, allein mit materiellen Dingen aufzuwiegen ist, sondern auch mit zugesprochener sozialer Verantwortung, regionaler Bedeutung, Vorbild sein, Orientierung für andere und die Entwicklung ihrer Persönlichkeiten. Ist es daher legitim, einfach zu den Bayern zu wechseln, für Neuer und Götze? Der eine ist dort angekommen und bei dem Anderen wollen wir heute morgen um 9:30 h noch mal abwarten, ob was dran ist. Falls es nicht stimmt, dann wurde mal wieder die bayrische Lebensart bestätigt. Stimmt es, dann auch - allerdings mit dem Zusatz, dass Götze schon längst Bayer geworden ist. Dafür sprächen dann seine Lügen in den letzten Wochen. Und dass Uli Hoeneß lügt, hat er ja gerade eben mal wieder selber ausdrücklich bestätigt. Kann das? Das kann.

 

Nun ist zu fragen, ob es legitim ist, zu lügen - ohne natürlich die gesetzlich erforderliche Legalitätsgrenze zu überschreiten. Kann man an einem 20jährigen Fußballspieler dieselbe Elle anlegen, wie an einen 60jährigen Manager? Nein, aber dennoch, beide haben noch einiges zu lernen - unterstellt, der Wechsel findet tatsächlich statt. Falls das alles eine Ente war, den BVB mal wieder zu stören, muss der 60jährige vom 20jährigen noch mächtig viel lernen! Beide haben genug Knete oder auch Kohle, ein sorgenfreies Leben zu führen, der Jüngere wird in den nächsten 10 Jahren noch manche Schippe drauflegen, um dann sogar von den Zinsen (nach Abzug der Steuern) gut leben zu können. Dem Älteren wird nach Abzug der Steuern etc. gleichfalls noch genügend bleiben, ebenso von den Zinsen leben zu können. Geht's also um Geld? Wohl eher im Unterbewußtsein, als angelerntem Reflex. Es geht eher um den Wunsch, der Größte zu sein, dem Älteren als "Mutter aller Manager" zugleich als unangefochtenes soziales Gewissen der Nation zu gelten, dem Jüngeren, es Messi nachzumachen, Idol einer Fußballergeneration zu werden, die aus solchen Helden ihre Identifiktion schöpft. Wir am Obenende schauen nach Dortmund, erinnern uns an aufregende Stunden im Stadion mit dem direkten Blick auf die "gelbe Wand" und einem gewonnenen Spiel, die friedliche Leidenschaft der Fans, welche das Stadion immer wieder bis auf den letzten Platz füllen, mehr als 80.000 sind es bei jedem Bundesliga-Heimspiel. Und wir denken auch an die Toten Hosen: Wir würden nie zu Bayern München gehn. Das mach wohl.          

Das Bayernlied der Toten Hosen hat die Region geeint und ver-deutlicht, dass der Verein eine andere Mentalität hat als das Rhein-Ruhr-Gebiet mit seiner unmittel-baren, direkten, unverdorbenen Art. Aber vielleicht verdirbt Geld ja den Charakter, dann steigt das schlei-chende Gift vom Süden in den Norden auf. Lieber Düsseldorf und die Toten Hosen als zu den Bayern gehn. Muss das? Das muss.

 

Jetzt noch einen Kaffee und Tschüss.    

Da heißt es vorausschauend:

 

Ich meine, wenn ich 20 wär
und supertalentiert,
und Real Madrid hätte schon angeklopft,
und die Jungs aus Manchester.
Und ich hätt auch schon für Deutschland gespielt
und wär mental topfit
und Uli Hoeneß würde bei mir
auf der Matte stehen.

Ich würde meine Tür nicht öffnen,
weil's für mich nicht in Frage kommt,
sich bei so Leuten wie den Bayern
seinen Charakter zu versauen.

 

und weiter:

 

Muss denn sowas wirklich sein?
Ist das Leben nicht viel zu schön?
Sich selber so wegzuschmeissen
und zum FC Bayern zu gehen.

 


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Kommentare: 3
  • #1

    zypresse (Dienstag, 23 April 2013 10:42)

    ach na ja ... in München macht man Selbstanzeige beim Finanzamt, in Dortmund lässt man sich Haare verpflanzen... und Götze folgt dem Ruf des Geldes. Hat denn ernsthaft jemand geglaubt, beim Fußball geht es um Sport? Nein, das ist Wirtschaft, großes Geld, sind Aktienmärkte.
    Da lob' ich mir den Düsseldorfer Jung mit seiner Truppe - die sind und bleiben Fortuna Fans ;-) und machen ehrlichen Rock, laut und zum Mitsingen!

  • #2

    loire2012 (Dienstag, 23 April 2013 11:08)

    Nun ja, nicht ohne Grund sind hier die Toten Hosen aufgeführt. Sie symbolisieren aber auch eine Stadt und ihre Mentalität namens Dortmund. Die Identifikation mit dem BVB ist dort riesig und einzigartig, weitgehend friedlich über alle Schichten verteilt. Aber was die Münchner machen ist nicht mit der eitlen Haarverpflanzungsaktion des Klopp in Ansätzen zu vergleichen. Mir geht es auch nicht darum, dem Profi-Fußball das Label Sport aufzukleben, sondern an die Bedeutung für die regionale Identität zu erinnern, die Vorbildfunktion der Akteure. Ich brauche die nicht zwingend, erfreue mich nur am Erfolg. Andere haben nichts anderes. Man mag fragen warum, aber es ist so. Selbst der OB zeigt sich als BVB-Fan gerne distanzlos fröhlich in gelb-schwarz.

    Man muss das mal im Stadion erlebt haben - und in Düsseldorf wird es ähnlich sein.

    Wenn aber Fußball nur noch Kommerz ist, was ist dann großes Kino, was der Auftritt einer gefeierten Popgruppe und was das internationale Opern-Angebot? Bleibt uns da nur noch die Suche nach Libellen im Moor? :-)

  • #3

    Beate (Mittwoch, 24 April 2013 06:47)

    der "Düsseldorfer Jung" ... da muss ich unbedingt auch noch was zu loswerden:
    ich mochte ihn auch immer und fand gut, was er machte. Als dann jedoch Heino zu rocken anfing, fing Campino an zu pöbeln. Man muss auch gönnen können …? Hatte der Düsseldorfer wohl ganz vergessen. Schade!