Facebook seine Oberfläche

Aus einem Forum rausgeworfen zu werden, das ist nicht weiter tragisch und bestätigend: Man lag wohl richtig, weil kontrovers und nicht nur mainstream. Kommt vor und wirft ein Licht auf den Betreiber.Schwamm drüber. Ist ja alles nur virtuell. Bei facebook aus ähnlichen Gründen von der FB-Freundesliste gestrichen und dann auch von dem Betreffenden gesperrt zu werden, das ist ähnlich und auszuhalten. Nur, wenn der Betreffende zuvor über alle politischen Grenzen hinweg meinen Respekt besaß, dann schmerzt das, da ich darüber nachdenke, ob ich mich wohl getäuscht haben könnte. Aber vielleicht habe ich auch nur dazugelernt. 

Historischer Lüfter
Historischer Lüfter


Er heißt Stefan Schwarz, ist der Sohn des früheren Innenministers in Rheinland-Pfalz Heinz Schwarz, war mit 33 Jahren Bundestagsabgeordneter und zugleich Vorsitzender der Jungen Union. Es war 1992, da hielt er im Bundestag eine bemerkenswerte Rede zum Genozid in Bosnien. Und diese Rede kann man auch heute noch bei YouTube einsehen. Mein Respekt. Er wurde dann auch nicht wieder von seiner Partei aufgestellt. Man kann das alles nachlesen.

 

Heute, Mitte 50, ist er Ehrenbürger von drei bosnischen Städten, steht nicht mehr unmittelbar im politischen Leben, betreibt ein Institut zur europäischen Balkanforschung, was eher den Eindruck hinterlässt, Kontakte zu vermitteln, Denkbares möglich zu machen, politische Lobbyarbeit. Das gehört dazu. Auch die Mitgliedschaft in den unterschiedlichen Stiftungen. Mein Respekt, auch wenn er andere Farben trägt, wie man so schön sagt.

 

Ich bin ihm über das Thema "Bosnien" bei facebook begegnet. Da hatte er seine Meinung zur causa "Wulff", ich auch eine und wir konnten kurz darüber diskutieren, ob denn nun die rechts-politische Kultur in Deutschland den Bach runtergehen würde. Er hat seinen Kindern empfohlen, nicht den Weg ins öffentliche Leben zu gehen, da sei man zunehmend angreifbar und nicht frei, seinen Weg selber zu bestimmen. Ich fasse das aus der Erinnerung mal so zusammen. Dann lerne ich Frau Steinbach unter seinen FB-Freunden kennen - die Kommentare zu ihren postings waren nicht immer freundlich. Dass er ein Freund des FCB ist, wirkt eher nebensächlich, ist aber immer Auslöser für irgendwelche Kommentare, sein FB-Freundeskreis ist groß. Dann kommt der Muttertag diesen Jahres und er erinnert an den Tod seiner Mutter vor zwei Jahren. Damals hatte er die Traueranzeige bei facebook eingesetzt, das wiederholt er jetzt. Ich kommentiere das mit der Geschichte von Orpheus und Eurydike: Sie musste zurückbleiben, weil er nicht die Zuversicht besaß, sie würde ihm folgen. Indem er sich umdrehte, den Beweis suchte, war sie für immer verloren. Wir müssen uns nach vorne gewandt bewegen, die Verstorbenen sind bei uns.

 

Jetzt hat Stefan Schwarz das Foto eines niedlichen bosnischen Babies veröffentlicht, der Junge lacht in die Kamera. Er teilt aber zugleich mit, dass das Kind an Leukämie verstorben ist, man konnte nicht helfen, weil es dort keine Hilfsmöglichkeiten gibt. Solches ist m. E. grenzwertig aber legitim, auf ein Problem aufmerksam zu machen - wenn nichts anderes mehr geht. Ich habe es nicht kommentiert. Dann aber, nach dem Sieg der Bayern im CL-Finale, wurde dieses Foto gemeinsam mit den Vereinsfarben eingestellt und der Sieg der Bayern (an dem nach meiner Kenntnis weder ein Bosnier, noch Stefan Schwarz in irgendeiner Weise beteiligt waren) diesem verstorbenen Kind gewidmet. Das habe ich mit dem Hinweis auf Geschmacklosigkeit und der Überschretung von Dimensionen kritisiert.

 

Nun hat er mich rausgeschmissen, weil ich Null Ahnung hätte und als Oberlehrer auftreten würde. Nun ja.  Wie aber soll ich sein Lebenswerk betrachten, wenn er derart unreflektiert mit Emotionen hantiert und eigentlich nur möchte, dass man ihm, der als Hobby das Lesen von Büchern angibt, Beifall zollt? Wenn ich bei facebook unkritisch lese, dass der kleine Junge nun ein  Engel sei, dann widert mich das an, denn es ist weder Trost noch Perspektive. Jeder kann und darf schreiben, was er/sie will - im Rahmen der Gesetze. Man muss sich aber auch der Kritik stellen können, auch bei facebook. Ansonsten setzt man sich dem unwiderlegbaren Verdacht aus, nur Emotionen schüren zu wollen, Beifall einzufahren, sich feiern lassen zu wollen. Ein Mensch Mitte 50 sollte das wissen, sollte seit seinem 33. Lebensjahr dazugelernt haben. Oder aber er will sich allein an der Oberfläche des FB sonnen.           

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