Weniger Einwohner haben – oder darf es (doch) etwas mehr sein?

Nun sind die Zensusdaten öffentlich und wir vertrauen darauf, dass sie richtig sind. Und wenn es um mehr oder weniger deutliche Differenzen geht zu den bislang verwendeten amtlichen Zahlen, dann spricht man vom Schrumpfen oder Wachsen und sucht eingängige Erklärungsmuster, solche, die auch der normale Mensch versteht.

 

Wie leicht mag es dem Präsidenten des Statistischen Bundesamtes gefallen sein, in der Tagesschau zu behaupten, dass die Differenz an den sog. „Karteileichen“ in den (Kommunalen) Meldeämtern liegt, dass dort Menschen geführt werden, die es tatsächlich gar nicht gibt? Er muss doch wissen, dass das nicht die Ursache ist, sondern andersherum, die Meldeämter mit ihrer Arbeit diesen Zensus erst ermöglicht und das Missverhältnis erst haben aufdecken können. Eine der vielen Blüten um die Zensusergebnisse.

 

Kraft und Selbstbewußtsein
Kraft und Selbstbewußtsein


Einführend

 

Ein großer Tag für den Präsidenten des Statistischen Bundesamtes, das Ergebnis des Zensus 2011 vorzustellen. Seit mehr als 10 Jahren hat das Statistische Bundesamt  im Verbund mit den Landesämtern erst an der Methode und dann an der Umsetzung gearbeitet. Aus den Erfahrungen der Zählung 1987 sollte gelernt werden und vor allem wollte man Kosten sparen und die bestehenden Register auswerten, allenfalls eine Stichprobe befragen. Auch wenn die aktuellen Kosten noch nicht zur Gänze feststehen, man kann festhalten, dass die Bier- und Benzinpreise stärker gestiegen sind, als die für den Zensus. Etwa vergleichbar mit der Brotpreisentwicklung.

 

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Auswirkungen – ein erster Blick

 

Das vom Präsidenten des Bundesamtes eingangs zitierte Statement in der Tagesschau entbehrt jeglicher fachlicher Substanz und verdeutlicht, dass es dem Amt einzig darum geht, eine Zahl zu präsentieren, deren Abweichung von der bestehenden andere zu verantworten haben.

 

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Einfluss der Ausländer auf das Ergebnis

 

Besonders herausgestellt wurde, zu Recht, die erhebliche Veränderung bei den Ausländern. Wir haben nach neuer Rechnung deutlich weniger als bislang angenommen. Die Fortschreibung der Volkszählung 1987 krankte an mangelhaften Vorgaben bei Wanderungen von Ausländern, wenn diese bspw. unangemeldet in Ausland verzogen und amtlich abgemeldet wurden – oder auch nicht. Gerade in den großen Großstädten war das nicht immer einfach. Abe wie waren die in das amtliche System einzubuchen, wenn anderswo kein Zuzug vorlag? Und was, wenn später von denselben ein Zuzug aus dem Ausland erfolgte? Dafür gab es Erfassungsfelder. Es überrascht also niemanden, wenn die Zahl der Ausländer nun deutlich niedriger liegt.

 

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Vom Schrumpfen und Wachsen       

 

Diese Begriffe werden mit schöner Regelmäßigkeit völlig inhaltsleer verwendet – als wenn die Autoren es nicht besser wissen würden. Niemand käme auf die Idee Äpfel mit Birnen zu vergleichen oder Kartoffeln mit Tomaten. Nach den ersten Ergebnissen werden Vergleiche von Zahlen angestellt, die ganz unterschiedlich erhoben wurden. Das mag und wird Auswirkungen auf Zahlungsverpflichtungen und –erwartungen haben und deren zukünftiger Korrektur, zunächst nicht mehr. Ob eine Stadt wächst oder kleiner wird, zeigt sich jetzt nicht erst zwischen 2011 und heute, sondern kann seine Ursache bereits vor 20 oder mehr Jahren gehabt haben, weil die Zahlen nicht mit der vor Ort 1987 erfassten Realität übereinstimmten, oder weil die zu viel gezählten Ausländer pp. bereits in den 90er Jahren weggezogen sind . . . und niemand hatte es (landesseitig) gemerkt. 


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