Reaktion von "Ärzte ohne Grenzen": Vorbildlich!

Auf meine Mail hat der Verein "Ärzte ohne Grenzen" umgehend reagiert, das finde ich vorbildlich! Die Begründung der Ablehnung kann ich zwar nachvollziehen, aber es bleibt doch sehr merkwürdig. Und ich glaube kaum, das man das aufklären können wird, was noch dahinter steckt. Deshalb nehme ich das Angebot an einer Telefondiskussion teilzunehmen nicht an. Es wurde Kredit verspielt. Dennoch: Mein Respekt. Nachstehend der Antworttext von "Ärzte ohne Grenzen".

- Zitatanfang -

 

Sehr geehrter Herr Sommerer,

 

wir haben diese Woche Ihre kritische Rückmeldung darüber erhalten, dass wir die angekündigte Spende von  Peer Steinbrück nicht annehmen konnten.  Wir verstehen, dass es nicht einfach ist, unseren Standpunkt nachzuvollziehen.

Es ist auch für uns eine schwere Entscheidung gewesen, diese Spende abzulehnen – wissend, was damit hätte erreicht werden können. Dennoch akzeptieren wir grundsätzlich keine Spenden von politischen Akteuren.

 

Lassen Sie es mich am Beispiel Syrien erklären: Es ist sehr schwierig, im Land direkt zu arbeiten. Wir sind eine der wenigen Organisationen, die überhaupt in Syrien tätig sein können. Seit Beginn unseres Einsatzes arbeiten wir dort ohne offizielle Genehmigung der Regierung. Inzwischen betreiben wir dennoch im Norden Syriens sechs Kliniken, worüber wir sehr froh sind. Doch zu den von der Regierung kontrollierten Gebieten haben wir bis heute keinen Zugang erhalten.

 

Unsere Teams arbeiten unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Trotzdem bleibt immer die Gefahr, Ziel eines Angriffs zu werden. Wir sind froh, derzeit vielen Tausend Menschen in Syrien medizinisch helfen zu können. Für den Zugang zu unseren Patienten ist es jedoch unbedingt notwendig, auch weiterhin von allen Konfliktparteien als unabhängig wahrgenommen zu werden.

Es darf nicht der Eindruck entstehen, wir würden politische Interessen verfolgen. Deshalb haben wir die versprochene Spende von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ablehnen müssen.

 

 

Wir möchten Sie einladen, dieses Thema am kommenden Mittwoch um 18 Uhr gemeinsam mit unserem Geschäftsführer zu diskutieren. Dr. Frank Dörner wird Ihnen und anderen am Telefon Rede und Antwort stehen. Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte bis Mittwoch, 13 Uhr, bei alfhild.boehringer@berlin.msf.org an. Nach Ihrer Anmeldung erhalten Sie Ihre Zugangsdaten.

 

 

Wir freuen uns auf eine kritische und offene Diskussion mit Ihnen.

 

 

Herzliche Grüße

 

 

Eva Bunnemann

 

 

PS: Wunschgemäß haben wir Ihre Anschrift aus dem Postverteiler herausgenommen und werden Ihnen künftig nichts mehr zusenden.

 

 

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Spenderservice Team

 

Ärzte ohne Grenzen e.V. / Médecins Sans Frontières Am Köllnischen Park 1

10179 Berlin

Tel.: 030 – 700 130 - 130

Fax: 030 – 700 130 - 340

Spenderservice@berlin.msf.org

www.aerzte-ohne-grenzen.de

 

Spendenkonto: 97 0 97

Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00

- Zitatende - 

 

Lag da möglicherweise eine Unachtsamkeit des Spenders oder seiner Mannnschaft bzw. seiner Berater vor? Es bleibt aber die Frage, ob wirklich der Eindruck zwingend ist, dass man durch die Annahme von Spenden aus der Politik auch gleich seine Unabhängigkeit aufgibt.

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