Alkohol und die Freiheit von der Zeit

Nö, zu der Überschrift gibt es jetzt kein Bild. Und wenn wir die dreißig Jahre Lebenszeit überschritten haben, dann haben wir doch alle selber eines. Eines von uns selber. Irgendwann volltrunken gewesen, richtig abgesackt und als es wieder möglich war einen heiligen Schwur auf den noch blassen  Lippen: Nie wieder. Jetzt haben sie bei Jugendschutzkontrollen in Westoverledingen einen 16-jährigen mit 2,6 Promille in einer Disko aufgegriffen. Ist nicht sehr weit weg von hier. 

 

Und ich denke an diesem dunklen Abend an die verbissen-fröhlichen Umzüge am Vatertag mit den Bollerwagen, die alles gut was drauf haben. Da ist wenigstens noch der Hang zur Natur zu spüren. Auch wenn die Jungs alle noch weit von einer Vaterschaft entfernt sind, sich auch alle 100-Meter weiter davon entfernen, sich damit überhaupt jemals konfrontiert zu sehen. Es gibt ja nicht nur den Vatertag, der 1. Mai passt auch, Karneval, Pfingsten, Bosseln im Februar, man findet schon was. Sei es im Oktober die Disko. Komasaufen heißt das in der Stadt und hat seine Orte. Gibt's hier auch, soll es z. B. an der "gesprengten Brücke" gelegentlich geben, wenn es schulische Feiern gibt.

 

Man hört davon, dass es hier zur Erziehungsstrategie der Eltern gehört, ihre Kinder auch mit diesen Formen des gegenseitigen Umgangs vertraut zu machen. Nicht zu animieren, sondern zu stärken, sozial zu festigen, dass man sie nicht laufend re-animieren muss. Und das klappt.

 

Nicht wahr, davon wollen wir keine Bilder. Haben alle unser eigenes tief im Innersten verborgen, lassen es gar nicht gerne raus. Das habe ich hinter mir, bosseln in der Oberstufe, wohl so 45 Jahre zurückliegend, gut Korn bis Middag, und aus war es mit dem Kino, Filmriss. Gefühlte 15 Jahre habe ich einen weiten Bogen um diesen ekelhaften Geruch gemacht. Nie wieder! Also, ging doch.  

  

Alkohol befreit die Unwissenden von den Zwängen ihrer Zeit, man muss ihnen helfen, sich schlau zu machen und auch den Zwang nehmen, dem sie mit dem Alkohol fliehen wollen. Was gibt es Alkohol im Berufsleben und Vorgesetzte, die lieber wegschauen als sich zu kümmern! Und Lügen auf beiden Seiten! Die Bilder und Szenen werde ich nicht vergessen. Gehören zu meinen Erfahrungen als Chef dazu, aber haben hier in den Winterzeitnächten am Obenende ihre Bedeutung verloren.

 

Vielleicht erzähle ich mal aus Finnland, die können das auch ganz gewaltig, ist ja auch dunkel dort, da will man vergessen. Zu einem guten Essen aber lasse ich mir ein gutes Getränk nicht nehmen - vorher, während und nachher. Zeitlosen Stil kann man lernen. Tschüß.

 

 

 

  

Kommentare: 2 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    zypresse (Sonntag, 27 Oktober 2013 19:55)

    Oh je... da wollt ich grad in die Küche, Essen kochen, Weinflasche öffnen- Ein bisschen schlechtes Gewissen hab ich jetzt - aber mit Verstand ist ein guter Chardonnay vom Kap ja Genuß und kein Laster!

  • #2

    loire2012 (Montag, 28 Oktober 2013 16:41)

    Stil kann man erlernen - sach ich doch!