Magst du gelbe Rosen? (2)

Es mag dir merkwürdig vorkommen, täglich eine Rose vorzufinden, bei deiner Arbeit, wenn du versuchst bei mir das Böse zu finden. Das habe ich dir ja schon geschrieben. Und ich hoffe, es hat dich nicht von der Arbeit abgelenkt. Du musst alles aufdecken! Und du musst sehr sorgfältig sein. Nichts darf dir entgehen, sonst sterben Menschen, stürzen Flugzeuge in Häuser, gewinnt der Terror überhand.

 

Gestern hast du eine rote Rose gefunden, ich überlege, ob das passend war. Rot, das könnte für dich das Böse bedeuten, So habe ich heute eine gelbe ausgewählt, dir die Dunkelheit angenehmer zu machen. Du sollst es gut haben, denn was du als Agentin der NSA tust, dient unser aller Sicherheit. Nein ich übertreibe nicht und muss eingestehen, vor zwei Tagen noch ganz anders darüber gedacht zu haben. Da fühlte ich mich verfolgt. Aber deine Leute haben mich überzeugt. Danke dem Chef des NSA, Dank auch deinem Außenminister Kerry. Wissen die eigentlich was du wirklich jede Nacht im Dunkeln treibst? Im Dunkel der Glasfaserkabelschächte, auf den Highways unserer Welt, wo wir unsere Wünsche und Hoffnungen entlang schicken und ihnen gedankenlos ein "Lebe wohl" hinterher rufen, und ein "Komm gut an!" Wo Tag für Tag und in allen Nächten der Verkehr unablässig rollt, vorbei an den Bordellen der Datenkultur, den Imbissbuden und Glitzerschuppen unserer schönen neuen Welt. Ja brav sollen sie alle sein - dafür sorgst du. Danke.

 

Das ist etwas anderes, als es noch in deinem Lehrbuch steht. Da hast du mühselig lernen müssen, wie man Glienicker Brücke buchstabiert. Vorbei. Aber wäre es nicht schön, auch mal aus dem Keller herauszukommen? Du könntest mit mir durch die Parks spazieren, ich würde dich begleiten, dir die gelben Rosen und alle anderen Blumen zeigen. Und du würdest lernen, dass nicht hinter jedem Busch ein Heckenschütze lauert, etwas Böses, das du fangen musst. Höre ich von dir? Tschüß.  

  

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