Forever You!

Juden, so heißt es heute, wünschen sich echte Anteilnahme. Anlass ist der 75. Jahrestag der Reichspogromnacht. Es war jene Nacht, da viele Synagogen im Feuer der Nationalsozialisten aufgingen, eine deutsche und damit auch europäische Kultur in Schutt und Asche zerfiel. Zugleich ist dies für mich das allerletzte Signal dafür, was das Judentum durch Deutsche zu erwarten hatte: Verfolgung und Tod. Dem ging bspw. bereits im Mai 1933 die Bücherverbrennung voraus.  Den 9. November 1938 habe ich als solchen aber erst wirklich verstanden, als meine Töchter diesen als Mitglieder der Pfadfinder (BdP) im Dortmunder Stamm „Weiße Rose“ zum persönlichen Gedenktag machten, Lieder in der Innenstadt sangen und auf andere Weise auf ihre Art in das deutsche Gedächtnis zurückbrachten. Ansonsten war es eben die historische Reichspogromnacht, ein Tag, eine Nacht von vielen Grausamkeiten des dritten Reiches.

 

 

Zeitzeugen wird man heute kaum noch finden. Auf Seiten der Nichtjuden gibt es jetzt die zweite und dritte „unbelastete“ Generation, Menschen, die das damalige Geschehen nur aus dem Geschichtsbuch kennen. Auf Seiten der Juden sieht es anders aus. Ihnen fehlen in großem Umfang die Eltern und Großeltern, ihnen fehlt die gewachsene Kultur, sehr vieles wurde zerstört. Sie haben überlebt, sich wieder eingelebt, sehen in Deutschland ihre Heimat, wären sie sonst hier? Sollen sie vergeben, verzeihen, wem? Die persönliche Ebene ist dazu wenig geeignet. Bleibt das Kollektiv, bleiben die Verbände.

 

Echte Anteilnahme zu fordern unterstellt, dass alles heute zur Schau getragene unecht ist. Mag sein, aber was will man erwarten? Der Staat Israel ist die Antwort auf das Leid der Juden. Er ist geschützt aus Palästina entstanden – den Preis zahlte ungefragt in vielfacher Hinsicht die arabische Bevölkerung. Den Preis hat Israel von Deutschland eingefordert, von den USA und anderen, die sich immer wieder unterstützend für die Existenz eingesetzt haben, aktiv oder passiv durch Hilfen vielfacher Art. Der Staat Israel hat so Verantwortung für das moderne Judentum tragen können, ist dorthin hineingewachsen, wurde auf diesem Weg in  vielfacher Hinsicht unterstützt. Eine historische Entwicklung hin zum eigenen Staat. Dieser aber hat nun als Kollektiv auch Verantwortung zu tragen für andere, für den Frieden in seiner Region, dem sog. Nahen Osten. Nicht länger allein für sich selber. Das ist die Aufgabe heute.

 

Die Forderung, dass eine echte Anteilnahme her muss von Menschen, die nicht teilgenommen haben, damals, geht an der Realität vorbei und ist vordergründig dazu geeignet abzulenken und nationale Schuldzuweisungen ins Unendliche zu verlängern - weit entfernt von einem konstruktiven Miteinander. Die Kollektive sind gefordert. Es geht um eine Kollektivschuld, die abzutragen ist, nicht um (persönliche) Anteilnahme. Tschüss.    

 

    

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