Flucht und/oder Vertreibung

Vor einem halben Jahrtausend schlug Luther seine Thesen an die Kirchentür - was bekanntermaßen (von ihm ungewollt) zu einer Reform der christlichen Kirche führte, zumindest Teilen von ihr. Die einen leben heute in einer für Außenstehende unübersichtlichen Vielfalt - sofern sie im Christentum tatsächlich leben: Reformierte, Lutheraner, Protestanten, Calvinisten . . . Die anderen begtreifen diese Gruppen als Sekten, Abtrünnige, die den wahren Weg verlassen haben - sofern sie in ihrem Glauben tatsächlich leben und nicht etwa der Ökumene anhängen, also das gemeinsame suchen und feiern wollen. Aber da ist ja noch Rom - voller Hoffnungen zwar seit etlichen Monaten, weil man seit dem zu Recht erwarten kann, dass auch der Vatikan sich zu einer Vielfalt seiner Kirche bekennen wird. Es ist aber Rom und sein nach wie bestehendes Imperium.  

 

Das kennt Statthalter, man nennt sie Bischöfe und sie sind offensichtlich unangreifbar. Wie anders ließe sich erklären, dass einer von Ihnen, arg in die Bedrouille geraten, erklärt, dass er zwar alles unterschrieben habe, die vielen Ausgaben, aber der Architekt habe ihn getäuscht, die Zahlen wohl verschwiegen. Nun, nach etwas Bedenkzeit, die ihm der Papst großmütig gewährt hat, ist er bereit zur Verzeihung. Dazu schreibt einer im kath.net:   

 

"Sehr viele Mitglieder der Kirche sind verweltlicht, total verweltlicht. Sie denken nicht daran, daß jeder Bischof "Hirte" seiner Diözöse ist. Ein Bischof ist von Gott berufen und muß vor Ihm Rechenschaft ablegen für die ihm anvertrauten Seelen.
Und wenn der Bau das 10-fache gekostet hätte, ist das trotzdem ein Randthema. Es geht in dieser Welt am Ende nur um das Seelenheil der Menschen. Und um dies zu errreichen ist es jedem Gläubigen nur anzuraten, sich seinem Bischof in Demut und Gehorsam unterzuordnen.
Jeder andere Weg ist hochriskant.
Jesus sagt selbst seinen Aposteln und damit auch den Nachfolgern der Apostel, den Bischöfen: "Wer euch ablehnt, der lehnt mich ab"
Es ist schon sehr verwerflich einen geweihten Priester zu bekämpfen, um vieviel mehr ist es dann verwerflich, einen geweihten Bischof zu bekämpfen."

Was bleibt dem denkenden Menschen, Flucht oder Vertreibung? Die Liste der römischen Kaiser reicht bis an das Ende des 6. Jh. Aber schon früher, wir haben es in der Schule gelernt, wurde das Christentum zur tragenden Religion des Reiches. Eines Reiches, das schon längst begonnen hatte sich aufzulösen, jedoch zugleich neue Macht- und Herrschaftsstrukturen begonnen hatte aufzubauen, die des Geistes, des Glaubens und der Furcht - und der Unterdrückung. Nicht mehr der Limes war zu verteidigen, sondern der rechte Glaube. Nicht mehr der Heerführer sorgte sich um die Sicherheit, sondern der Bischof - irgendwann auch einmal vorübergehend in einer Person.   

 

1.500 Jahre sind seit dem vergangen und wieder steht das römische Reich vor einer Auflösung - denn will jemand heute wirklich behaupten, ein Bischof muss sich nur vor Gott und nicht dem Rechnungshof rechtfertigen? Will die Kirche weiterhin wirklich der Welt entsagen, wenn es um Verantwortung geht, statt dessen in das Seelenheil entfliehen? Demokratischem Denken als Antwort auf alle Sorgen einen gehorsamen Glauben entgegensetzen, Unterordnung verlangend?  

 

Wen wird es treffen, wenn es heißt: Flucht oder Vertreibung? Die Gläubigen oder den Klerus, angeführt von seinen Bischöfen. Tschüss.

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hedi (Dienstag, 12 November 2013 15:27)

    Du machst dir viel zu viele Gedanken. Die Welt ist eigentlich ganz einfach. Man muss nur ganz, ganz fest die Augen schließen und sich nur auf das besinnen, was das liebe Mütterlein und der gute Pater dir immer vorgebetet haben. Dann nämlich wirst du sehen, dass sogar das Heilige Römische Reich Deutscher Nation weiterhin besteht. Jedenfalls wenn du ausersehen bist, für das Kath.Net. zu schreiben, bzw. dort als Leser abonniert bist. Kleine Kostprobe gefällig?

    "Das Haus hinter der Piazza

    Navona ist ein letzter Rest des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das hier dessen Auflösung nach dem Deputationshauptschluss 1803 mitten in Rom als kleine Enklave überlebt hat. Der Bischof schlank, fast jungenhaft, ungealtert: das „Phantom von Rom“. Gewinnend wie eh und je. Der Druck der letzten Wochen haben den Asketen nicht gebeugt. Ich suche die Prüfungen in seinen Zügen und finde sie nicht. Er ist er kein chinesischer Untergrundbischof. Der Bischof aus der deutschen Provinz hält sich hier dennoch aus Not versteckt."

    Bislang hatte ich den Begriff "Fundamentalist" mit den Islamisten verbunden, jedenfalls bis die neue "Tea Party" in den USA auf den Plan trat. Der gemäßigte Moslem, so hatte ich immer wieder gelesen, schämt sich seiner Fundamentalisten, und irgendwie hatte ich das nie so recht geglaubt.
    Jetzt haben die Katholiken Grund, sich zu schämen. Da hilft es auch nicht, dass die "Katholischen News" ein österreichisches Internet-Portal ist.
    Ich bin zutiefst entsetzt. Ein Weltbild, nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt.
    Du solltest dir weiterhin lieber doch Gedanken machen.