Ob's da auch Palourdes gibt? 

Ich denke wohl kaum. Sie brauchen flache Wattböden, etwas schlickig soll es sein und viele kleine bis mittlere Steine sollen Schutz geben, denn zwischen denen buddeln sie sich ein. Ich lasse mich aber gerne überraschen - das Meer und seine Strände stecken voller Wunder!

So bin ich auch deshalb sehr gespannt auf unsere nächste Reise in die Bretagne! Wenig südöstlich des Point du Raz werden wir unser Haus auf einer Düne beziehen und dem Schauspiel der Sturmwolken folgen, dem peitschenden Regen und der dann um diese Zeit wenig wärmenden Sonne. Der Wintergarten lädt zur Naturbeobachtung ein, aber auch die Spaziergänge zum und am nahe gelegenen Strand oder der Steilküste werden uns locken. Die kleine Hacke zur Suche der palourdes wird genauso dabei sein, wie das Austernmesser, wenngleich ich annehme, dass es mindestens ein solches in der Küche des Hauses geben wird - wir werden in der Bretagne sein! Ich werde versuchen den Strand und das Wattenmeer täglich abzusuchen nach Muscheln, die frischer wohl nirgends anderswo zu bekommen sind. An Austern wird sicherlich das örtliche Fischgeschäft genügend Auswahl haben, denn diese leckeren Dinger findet man nur selten und dann auch nur vereinzelt und von wenig erhabener Größe.    

 

Die palourdes kann man zwar kaufen - meistens - aber sie suchen, finden, kochen und essen machen denselben Reiz aus, wie die aus dem Wald mitgebrachten Steinpilze oder Maronen am Abend in einer Pfanne zu einem leckeren Essen zuzubereiten. Also will ich sie finden.

 

Ein wenig "Beifang" wird es auch geben, in meiner Kindheit hießen sie "Herzmuscheln". Die größten kommen zu den palourdes. Muscheln suchen wird in Frankreich nicht ohne Grund "Fischen zu Fuß" (pêche à pied) genannt. Mal sehen, wie es zu einer Zeit klappen wird, in der die Sonne recht tief stehen wird.    

 

Austern wird es in ausreichender Zahl beim örtlichen Fischhändler geben, zur Not bei E.Leclerc. Die mittelgroßen werde ich wählen, zu Weihnachten haben sie zwar ihren Preis, aber der ist deutlich niedriger als in Deutschland. Es werden  die vom calibre 2 oder 3 sein, weil man die am besten schlürfen kann. Dazu einen Muscadet de Sévre et Maine oder einen Weißen aus der den Anbaugebieten von Sancerre bzw. Pouilly-Fumé, wenn letztere noch genug Euros für l'Huitres (die Austern) in der Reisekasse lassen . . .   

 

Austern schlürfe ich am liebsten ohne Zusatz von Zitronensaft oder der berühmt-berüchtigten Vinaigrette. So ist der subtile Geschmack der frischen Tiere am reinsten. Das Salzwasser gieße ich ab. Hat man keine Austerngabel, reicht auch eine für Kuchen. Im übrigen macht die "Not" erfinderisch, denn wenn man die Austern mit dem speziellen Austernmesser geöffnet hat, legt man sie mit dem bauchigen Teil nach unten (und oben offen) auf eine Platte. Erst beim Verzehr wird das Fleisch dann von dieser Schale getrennt . . . 

 

Die palourdes dagegen werden mind. 20 Min. in einer leckeren Bouillon gekocht, man sollte sie vorher einige Stunden in kaltes Wasser legen, damit sie den Sand ausspucken. Man kann sie - soweit gar gekocht - dann aus der Schale lösen und in einem Schälchen auf den Tisch stellen. Man ist sie mit einer Vinaigrette (aha!) oder einer Mayonnaise - natürlich selber mit der Gabel geschlagen. Oder man macht eine Rouille. Allerdings übertüncht der Knoblauch zu schnell den zarten Muschelgeschmack.  

 

Die Schalen der huitres und der palourdes (so es diese geben wird) werde ich sammeln und dann am Strand damit einen großen Turm bauen, den die Flut abschließend verschlingen darf. Diesen Turm werde ich als mein Objekt der landart fotografieren und damit zugleich dokumentieren, dass alles seine Zeit hat und auch nur von begrenzter Dauer ist.

 

Ich hoffe auf palourdes, der huitres bin ich mir sicher.

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Kommentare: 1
  • #1

    Zypresse (Sonntag, 26 Oktober 2014 08:25)

    tja... Austern sind so garnicht meins. Mehrfach getestet, roh, überbacken, mit und ohne Zitrone. Ich kann ihnen nichts abgewinnen. Mit Muscheln ist das schon anders. Große, kleine, rheinisch oder überbacken, auf dem Salat oder im Clam Chowder, am Marinara zu frischer Pasta - ich bin dabei. Und was sonst so im Meer lebt, mit Schalen, Krusten oder ohne: immer gern.

    Euch eine schöne Zeit in der Bretagne!